Demokratie In Der Pandemie Eine Ehrenrettung Des Querdenkens

Emily Johnson
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demokratie in der pandemie eine ehrenrettung des querdenkens

Der Link wurde in die Zwischenablage kopiert. Im „Politischen Feuilleton“ äußern sich Schriftstellerinnen und Zeitzeugen, Wissenschaftlerinnen... Mehr anzeigen Timo Rieg ist Buchautor und Journalist. Seine zuletzt erschienenen Bücher sind „Demokratie für Deutschland“ und der Tucholsky-Remake „Deutschland, Deutschland über alles“. Seine Fallsammlung zu Qualitätsdefiziten der Corona-Berichterstattung ist hier online veröffentlicht.

"Wer hört schon um 7:20 Uhr Deutschlandradio Kultur?", mögen sich die Programmverantwortlichen gedacht haben, als sie am 7.2.23, "drei Jahre danach", einen Kommentar des Journalisten Timo Rieg mit genann­tem Titel aus­strahl­ten. Immerhin läßt er sich viel­leicht als Beginn einer Selbstkritik hören. Demokratie und Pandemie: Das sind Hirngespinste! Und mit Kultur haben Propagandapodcasts wie die­se hier ganz sicher nichts zu tun. @Erfurt: "Propagandapodcasts"? Wie kommst Du denn auf das schma­le Brett?

Für wen oder was wird denn hier Propaganda gemacht? Ganz im Gegenteil ist Kultur genau das, was hier zu hören ist: das Eingestehen und Benennen von Fehlern, die tat­säch­lich gemacht wur­den, prä­zi­se und mit über­zeu­gen­den Beispielen, und dann auch noch mit dem Zusatz... Das ist über­zeu­gend, das ist gut. Drei Jahre muss­te ich mich vom ÖRR als Rechtsextremist und Antisemit beschimp­fen las­sen, weil ich den Pandemiebetrug durch­schau­te und mich wei­ger­te mit­zu­ma­chen. Das hat mich ver­letzt, das hat mich wütend gemacht. Das war eine Sauerei, wie ich sie bis­lang noch nicht erlebt hat­te, denn als Teilnehmer an vie­len Querdenkerdemos /wusste/ ich, wie unge­heu­er­lich hier gelo­gen und betro­gen wur­de.

Andere mögen frü­her ver­gleich­ba­re oder schlim­me­re Erfahrungen mit dem ÖRR gemacht haben, für mich war das neu. Dies „hat auch zu einer #Diskursverengung geführt, mit hohem #Konformitätsdruck und dem Zwang zum #SchwarzWeißDenken. […] Dabei zeigt die nun beginnende #Aufarbeitung des Pandemiemanagements, dass wir viel mehr – im guten Sinne – hätten querdenken müssen, weil vieles nicht oder zu wenig diskutiert wurde. Demonstrationen, Petitionen, Blogartikel und Konzeptpapiere haben genügend Hinweise gegeben. Doch es herrschte ein Erkenntnisdesinteresse. In der großen Öffentlichkeit ging es nur um Details, um Breite und Tiefe der Verbots- und Gebotsmaßnahmen, nie ums Grundsätzliche.

[…] Unverzeihlich finde ich dieses Versäumnis in der Branche, die im demokratischen Diskurs doch auch fürs Querdenken zuständig ist: im Journalismus. Dort nennt sich die Tätigkeit allerdings recherchieren. Recherchieren heißt, Fragen zu stellen und Antworten zu suchen, ergebnisoffen, vielfältig. Wer jedoch meint, selbst schon alles zu wissen, oder wer andere Meinungen dogmatisch als Quatsch ablehnt, der recherchiert nicht mehr.“ Timo Rieg DLF https://lnkd.in/ev5uK_wY Lieber Jan Biniossek, seit nunmehr 3 Jahren wird Kontra getrommelt, jetzt nach all diesen unsäglichen Episoden der Neuzeit beginnt man die Aufarbeitung. Das Traurige an all dem ist, dass bereits Mitte 2020 erahnt wurde, was alles passieren könnte bzw.

passiert ist. Heute kann niemand mehr sagen "wir wussten von nicht's". Die Informationen lagen und liegen auf der Strasse, frei für jeden zugänglich und selbst wer nur auf sein Bauchgefühl hört, seiner Menschenkenntnis vertraut und einen Blick in die Politik wirft, dem wird klar, wir... Ich hätte mir bis 2020 nicht ausmalen können zu welchen Unmenschlichkeiten unser Land unter dem Deckmantel von #Solidarität und #Gesundheit, getrieben von der Vision einer sterilisierten ewig lebenden Humanität in der Lage ist. Insbesondere die Gleichschaltung in der Wirtschaft, dieses unsägliche #Mitläufertum und die damit verbundene Ausgrenzung von #DenAnderen als auch der ausgeübte Druck auf die Selbstbestimmung des Einzelnen durch Gesellschaft, Familie, Freunde und Arbeitgeber haben spüren... Aus bunt, quer, agil, kreativ und innovativ wurde eine graue unflexible unmenschliche bürokratisch verkrustete Masse..

„So entwickelte sich am Samstagnachmittag rund um die Querdenken-Kundgebung zwischen Brandenburger Tor und Siegessäule eine teils bizarre Szenerie. Junge und alte Männer und Frauen hatten sich da versammelt, Hippies, manche hatten im Tiergarten kleine Lager aufgeschlagen, Kinder spielten dort. Zwischendrin verteilte die NPD Flugblätter, vereinzelt waren auch Flaggen des Deutschen Kaiserreichs zu sehen. Masken wurden nicht getragen und der Sicherheitsabstand trotz ständiger Ermahnungen kaum gewahrt. Als Ballweg (Anm. der Red.: Michael Ballweg, Mitinitiator der Querdenken-Bewegung) seine Mitstreiter über Lautsprecher von der Bühne neben der Siegessäule aufrief, die Hand aufs Herz zu legen, folgten ihm viele.

‚Mit der Hand auf dem Herzen setzen wir ein Zeichen für Liebe und Frieden in der Welt‘, sagte Ballweg. Seine Sympathisanten wirkten da eher wie Jünger.“ Ganz ähnlich wie diese Darstellung, die am 30. August 2020 im Anschluss an eine Großdemonstration in Berlin in der „Süddeutschen Zeitung“ erschien, lasen sich zahlreiche Medienberichte über die seit dem Frühjahr 2020 in zahlreichen Orten der Bundesrepublik stattfindenden Versammlungen, in deren Rahmen... Die rasch mit dem Etikett des „Querdenkens“ versehenen Demonstrationen fanden deutlich mehr Aufmerksamkeit als jene Versammlungen, die von Kulturschaffenden und Gastronomen organisiert worden waren, um auf deren prekäre ökonomische Lage aufmerksam zu machen. Anfangs fanden sich bei den Versammlungen von „Querdenken“ oder Gruppen wie der „Kommunikationsstelle Demokratischer Widerstand“ mehrere Menschen ein, die offenbar die Sorge um die Einschränkung demokratischer Freiheiten oder die ökonomischen Folgen der staatlich angeordneten...

Bald schon setzten sich jedoch Verschwörungserzählungen als verbindendes Element unter der Mehrheit der Teilnehmenden durch. Sieht man das Coronavirus SARS-CoV-2 als kaum gefährlicher als eine Grippe an – falls man es nicht ohnehin als Erfindung betrachtet –, so liegt es auf der Hand, zu vermuten, dass die zeitweise tief... Entsprechend stimmte auch ein sehr hoher Prozentsatz der 1.150 Teilnehmer*innen einer großen „Querdenken“-Demonstration in Konstanz im Oktober 2020 bei einer Befragung Aussagen zu, dass die Gefährlichkeit des Virus nicht gegeben sei, die Regierung die... Bei den beiden Großdemonstrationen in Berlin, Anfang und Ende August 2020, bedienten die Redner*innen auf vielfältige Weise die Interpretation, nach der die staatlichen Maßnahmen einem ganz anderen Zweck dienten – und das Publikum schien... In Situationen der existenziellen Krise können Verschwörungserzählungen dem nach Verstehen und Sicherheit suchenden Individuum nicht nur eine (scheinbar) eindeutige Erklärung dafür bieten, was gerade passiert. Sie reduzieren auch das Gefühl der Verunsicherung und Bedrohung und stiften ein Gefühl der Zugehörigkeit zu all denen, die ebenfalls „verstanden“ haben, dass es der Regierung (oder wahlweise einer die Regierung kontrollierenden Gruppe) bei...

Die „soziale Landkarte“, die Verschwörungserzählungen zeichnet, ruft vier Gruppen auf: die kleine Kerngruppe der Verschwörer*innen; eine deutlich größere Gruppe, die dieser Kerngruppe naiv, opportunistisch oder aus Gewinninteresse zuarbeitet; die große Mehrheit der Bevölkerung, die... Die Selbstbezeichnung als „Querdenker“ spiegelt bereits ein Paradigma aus Verschwörungserzählungen wider: „Nichts ist, wie es scheint. Hinterfrage alles.“ 14.03.26 16:05 Uhr Deutschlandfunk Bücher für junge Leser Netz, Dina www.deutschlandfunk.de, Büchermarkt 14.03.26 15:45 Uhr Deutschlandfunk Corso

Reil, Juliane www.deutschlandfunk.de, Corso 14.03.26 15:25 Uhr Deutschlandfunk Corso Rieg, Timo www.deutschlandfunkkultur.de, Politisches Feuilleton Direkter Link zur Audiodatei Im „Politischen Feuilleton“ äußern sich Schriftstellerinnen und Zeitzeugen, Wissenschaftlerinnen und Publizisten in persönlicher und prägnanter Form über gesellschaftliche, kulturelle und politische Themen.

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Für Wen Oder Was Wird Denn Hier Propaganda Gemacht? Ganz

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