Ein Höhepunkt Des Kulturkampfs 150 Jahre Mai Gesetze

Emily Johnson
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ein höhepunkt des kulturkampfs 150 jahre mai gesetze

Bonn ‐ Kaum hatte Bismarck das Deutsche Reich geschmiedet, brach er den Konflikt mit der katholischen Kirche vom Zaun. Ein Höhepunkt des Kulturkampfes waren die Maigesetze, die tief in die Rechte der Kirche eingriffen – und lange Nachwirkungen hatten. Apostel-Skulpturen, fromm blickende Heilige und fratzenschneidende Dämonen: Viele Kirchenfassaden sind in Stein gemeißelte Glaubensbekenntnisse. Doch es gibt auch Skulpturen, die alles andere als fromme Aussagen transportieren. Die romanische Westfassade der Kölner Kirche St. Andreas beweist das: Von den Konsolen des Rundbogenfrieses hoch oben grinst Reichskanzler Otto von Bismarck (1813-1898) auf die Kirchgänger herab – als großer Lauscher vor dem Herrn.

Mit mächtigem Schnauzbart, Tränensäcken, einem vor Empörung geöffneten Mund und einem übergroßen, verdrehten Ohr vernimmt er die Ungehörigkeiten seiner Untertanen. Die aus dem 19. Jahrhundert stammende Darstellung von Bismarcks großem Lauschangriff war nichts anderes als eine besondere Art des Kommentars zu den Kulturkampfgesetzen nach 1871, mit denen die Regierung des neugegründeten Deutschen Reichs die katholische Kirche in die... Kein missionarischer Eifer, sondern politische Taktik Deutsches Kaiserreich vor 150 Jahren: Am 11. Mai 1873 schreibt der Staat der katholischen Kirche vor, welche Ausbildung Geistliche zu durchlaufen haben.

Das ist neu. Vor allem aber fordert das Gesetz die Kontrolle über die Anstellung von Geistlichen. Insgesamt werden in diesem Mai vor 150 Jahren vier neue Gesetze erlassen, die es dem Staat ermöglichen, weitgreifend in die bisherige Autorität der Kirche einzugreifen. 1874 und 1875 kommen weitere „Maigesetze“ dazu. Am 17. Januar 1873 hatte Rudolf Virchow im Preußischen Abgeordnetenhaus den Begriff „Kulturkampf“ als Beschreibung des Konfliktes zwischen Staat und Kirche bereits etabliert, und in den Zeitungen wird dieser Konflikt fortan mit spitzer Feder nicht nur...

Ein kleiner Ort im Hochstift Paderborn wird nun zum Sinnbild für ein oft auch unsinnig ausgetragenes Gefecht. Niederntudorf. Dabei ist es wohl eher Zufall, dass die Niederntudorfer in einen Strudel geraten, der mit einer Medienkampagne größeren Ausmaßes einhergeht. Fake News inbegriffen. Die politischen Vorgänge um die Seelsorge in Niederntudorf in dieser Zeit sind schön zusammengefasst in einer Schülerarbeit von 1999, die die damals 9. und 10.

Klassen der Hauptschule Niederntudorf für einen Geschichtswettbewerb bei der Körber-Stiftung eingereicht haben – und mit der sie sich den 5. Preis geholt haben. Noch mehr von dem nun folgenden Kleinkrieg erfährt, wer sich durch das Zeitungsarchiv „Zeitpunkt NRW“ sucht. In diesem Zeitungsportal sind mithilfe von Bibliotheken und mit Unterstützung des Landes NRW alte Zeitungen online gestellt – und durchsuchbar gemacht worden. Das älteste Exemplar ist von 1743. Zur Körberstiftung und dem Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten.

Bei den 5. Plätzen findet sich die Arbeit über Caplan Butterbrodt: https://koerber-stiftung.de/projekte/geschichtswettbewerb/preistraeger-innen/?competition=4725 Faksimile der ersten Seite des Gesetzes vom 31. Mai 1875, „betreffend die geistlichen Orden und ordensähnlichen Kongregationen der katholischen Kirche“. (N.B. „ordensähnliche Kongregationen der katholischen Kirche“ bezog sich auf Gemeinschaften Geistlicher und Laienangehöriger in geistlichen Orden, die in der Welt außerhalb von Mönchs- und Nonnenklöstern lebten – d.h.

in Schulen, Krankenhäusern und Missionen.) Dieses Gesetz war ein Teil der Gesetzgebung im Zuge von Bismarcks Kulturkampf gegen den Einfluss der katholischen Kirche in Deutschland. Diese Reproduktion stammt aus der Gesetzsammlung für die Königlichen-Preußischen Staaten (1875), S. 217. Quelle: Gesetzsammlung für die Königlich-Preußischen Staaten, No. 15, Nummer 8292: „Gesetz, betreffend die geistlichen Orden und ordensähnlichen Kongregationen der katholischen Kirche“. 31.

Mai 1875, herausgegeben in Berlin, 3. Juni 1875. Digitalisierte Sammlungen, Staatsbibliothek Berlin. Online verfügbar unter: http://resolver.staatsbibliothek-berlin.de/SBB000155D000000000 Das erste "Milderungsgesetz" am 14. Juli 1880 leitete das Ende des "Kulturkampfes" ein.

Otto von Bismarck wollte die Trennung von Kirche und Staat ausbauen. Seinen Kampf gegen die katholische Kirche und deren politische Vertretung, die Zentrumspartei, hatte der Reichskanzler mit einer Reihe von Gesetzen geführt. Als der preußische König Wilhelm I. am 18. Januar 1871 im Spiegelsaal von Versailles zum Deutschen Kaiser ausgerufen wurde, hatte Interner Link: Otto von Bismarck sein Jahrzehnte altes Ziel verwirklicht, das Reich "von oben" zu einen. Doch in der Wahrnehmung des Reichskanzlers und vieler Zeitgenossen war das Reich vom Moment seiner Gründung an von inneren Feinden bedroht.

Die größte Gefahr für die nationale Einheit des preußisch-protestantisch geprägten Kaisertums waren in Bismarcks Augen die katholische Kirche und ihre Anhänger. Seit 1870 existierte mit der Interner Link: Zentrumspartei eine politische Vertretung der katholischen Minderheit. Bereits ein Jahr später zog die Partei als Interner Link: drittstärkste Fraktion in den Reichstag ein. Aus Sicht Bismarcks war sie ein Sammelbecken der Gegner der nationalen Einheit. Denn die katholische Kirche unter Papst Pius IX. lehnte den Liberalismus und den säkularen Staat ab.

Das 1870 erlassene "Unfehlbarkeitsdogma" sprach dem Papst gar Unfehlbarkeit in Fragen der Glaubens- und Sittenlehre zu. Der Zentrumspartei wurde dabei die politische Haltung des "Ultramontanismus" vorgeworfen. Der Begriff wurde unter Bismarck zum Schlagwort für die vermeintliche Vatikanhörigkeit der Interner Link: Katholiken (von lateinisch "ultra montes", jenseits der Berge). Das Ziel des Reichskanzlers Bismarck war die Trennung von Kirche und Staat und die Schwächung der Zentrumspartei. Sie stand in politischer Opposition zu den Freikonservativen und den Nationalliberalen, mit denen Bismarck im Parlament zusammenarbeitete. Ende des 19.

Jahrhunderts war der Antikatholizismus unter den Anhängern des Liberalismus weit verbreitet, sowohl in Preußen als auch in großen Teilen Europas. Mit seinem Angriff auf die Katholiken sicherte sich der Reichskanzler die Unterstützung liberaler Journalisten und der Politiker der Nationalliberalen Partei. Im neuen Reichstag und preußischen Abgeordnetenhaus waren sie die stärkste Kraft und zu unverzichtbaren Verbündeten geworden. Der Begriff "Kulturkampf“ für die sich entfaltende Auseinandersetzung wurde von dem linksliberalen Politiker Rudolf Virchow geprägt. Wann genau die Bezeichnung zuerst fiel, ist nicht vollständig geklärt: Virchow verwendete sie ab 1872 oder 1873 als Charakterisierung des Vorgehens Bismarcks gegen die katholische Kirche in seinen Reden im preußischen Abgeordnetenhaus. Der Begriff ist unabhängig vom Zeitpunkt seiner Entstehung als Bezeichnung für den Konflikt zwischen dem Deutschen Reich und der katholischen Kirche in die Geschichtsschreibung eingegangen.

Vor 150 Jahren tobte im jungen Deutschen Reich der „Kulturkampf“: Preußen und die Reichsregierung gingen scharf gegen einen angeblich staatsfeindlichen politischen Katholizismus vor. Im Mai 1873 kam es dabei zu einer weiteren Gesetzgebung, die weit in die kirchlichen Rechte bezüglich der Ausbildung der katholischen Geistlichen eingriff und Strafen gegen unbotmäßige Bischöfe und Pfarrer vorsah. Unter anderem wurde der populäre Mainzer Erzbischof Ketteler wegen einer kritischen Predigt zu zwei Jahren Festungshaft verurteilt, was erhebliche Empörung unter der katholischen Bevölkerung Deutschlands auslöste. ​Der Kampf des Staates gegen die Kirche stieß auch bei den preußischen Altkonservativen auf scharfe Kritik. Sie sahen das Vorgehen gegen vermeintlich „staatsfeindliche“ Elemente innerhalb der katholischen Kirche nur als Vorwand für einen Angriff gegen das Christentum selbst, der vor allem von den religionsfeindlichen Liberalen geführt wurde. Diese hatten bedeutenden Einfluss auf die preußische und deutsche Politik, dem auch Reichskanzler Bismarck Rechnung tragen musste.

Unter den Kritikern des Kulturkampfes nahm der preußische altkonservative Jurist und Politiker Ernst Ludwig von Gerlach (1795-1877) einen besonderen Platz ein. Seine bereits im August 1872 erschienene Schrift „Kaiser und Papst“ erlangte in diesem Zusammenhang Berühmtheit in Deutschland. Sie brachte dem Autor Sympathie (vor allem bei den Katholiken), aber auch Feindschaft ein. Und eine Beleidigungsklage seitens des Reichskanzlers höchstpersönlich. Lesen Sie dazu hier einen Beitrag von Stephan Ehmke (PDF).

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