Medienkritik Kommunikationswissenschaft Wikipedia

Emily Johnson
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Medienkritik bezeichnet die mit Argumenten geführte Auseinandersetzung einer Gesellschaft mit ihren Massenmedien über deren Inhalte, Rezeption, Arbeitsweise und Organisation, das heißt, alle kritischen, mit Argumenten begründeten Betrachtungen über Medien, die nicht Teil einer rein... Objekte der Kritik sind Verstöße gegen journalistische Grundsätze,[1] die organisatorischen Verhältnisse (etwa: fehlende Trennung von Werbung und Redaktion),[2] Verstöße gegen die Menschenwürde und gegen Grundsätze der Moral,[3] sowie die Einbindung in privatrechtliche Strukturen[4] bzw. die Nähe zu (etwa öffentlich-rechtliche Organisation von Sendern) oder Abhängigkeit von Werbeeinnahmen und von staatlichen Strukturen (etwa die Gleichschaltung der Medien in der NS-Zeit). Medienkritik darf mit Recht als systemrelevant bezeichnet werden, da diese die Qualität der Medien sichert.[5] Erste als Medienkritik zu bezeichnende Ausführungen finden sich bereits in den Schriften von Platon um 400 v. Chr.[6] Mit dem Aufkommen der ersten Zeitungen Ende des 16.

Jahrhunderts[7] wurde die Grundlage für die Kritik am Medienobjekt geschaffen: „Die Geschichte der Medienkritik ist so alt wie ihr Gegenstand.“[8] Im Wissenschaftsbereich befassen sich Medien- und Kommunikationswissenschaftler kritisch mit den Medien und ihrer Wirkungsweise. Kritische Beobachtung findet jedoch auch außerhalb der Wissenschaft statt. 1977 recherchierte etwa Günter Wallraff undercover bei der Bildzeitung, um deren manipulative und informationsverfälschende Praktiken aufzudecken. Medienkritik ist auch Thema bei Kabarettisten und Satirikern. Eine ausführliche Studie des Journalismus lieferte 1919 der Pulitzer-Preisträger Uptain Sinclair in Sündenlohn. Er verglich den Journalismus mit der Prostitution und zeigte an vielen Einzelbeispielen auf, wie die Inhalte der Medien von den Besitzern der Medienkonzerne und den von ihnen kontrollieren Nachrichtenagenturen nach Kriterien bestimmt wurden, die...

Die erste große empirisch angelegte Untersuchung zur Objektivität der Medienberichterstattung, die US-amerikanische Studie A Test of the News von 1920, widmete sich der New York Times und ihrer Behandlung Russlands von 1917 bis 1920. Die Inhaltsanalyse Walter Lippmanns kam zu dem Schluss, dass die Darstellungen grob einseitig und parteiisch waren. Ursache sei das Verfehlen der journalistischen Standards, indem sich die Times beispielsweise auf „offizielle Lieferanten“ von Informationen verließ. Noch irreführender sei es, sich statt auf eine offizielle Mitteilungen auf halboffizielle anonyme Äußerungen zu stützen. Journalisten dürften keine zu engen Verbindungen zur Politik haben (vgl. S.

41). Zudem werde nicht einmal eine Zeitung wie die Times dem Bedarf an geeigneten Korrespondenten gerecht (vgl. S. 42). In kritischen Zeiten breche die Trennung von Leitartikeln und Nachrichten zusammen. Die russlandpolitische Haltung der Herausgeber habe die Nachrichten zutiefst und in krasser Form beeinflusst.

Die Textgestaltung der Nachrichten hinsichtlich Akzentsetzung und Schlagzeilen sei eindeutig von anderen als professionellen Standards bestimmt. Diese Tatsache sei so offensichtlich, so auffällig die Einwirkung der Voreingenommenheit der Herausgeber, dass es „einer ernsthaften Reform bedarf, bis der Kodex, der verletzt wurde, wiederhergestellt werden kann.“ (Vgl. S. 42).[9] Auch weitere wichtige medienkritische Arbeiten entstanden in den USA: Neil Postmans Wir amüsieren uns zu Tode (1985) arbeitete das Infotainment als charakteristisches Merkmal der modernen Medien heraus. Edward Hermans und Noam Chomskys Manufacturing Consent (1988) entwickelte mit der Theorie der Propagandafilter ein Analyseinstrument.

In den USA wurde in den 1960er Jahren Ombudsleute installiert, die Medienkritik aus der Gesellschaft aufnehmen sollten. Online-Zeitschriften wie Salon.com und Slate.com fungierten ab 1995 bzw. 1996 als medienkritische Publikationen.[10] In Frankreich wurden in den 1990er Jahren medienkritische Kollektive wie Action critique médias (1996) gegründet, und es erschienen das Buch Les nouveaus chiens de garde (Die neuen Wachhunde) von Serge... Wortherkunft: aus dem Altgriechischen: μέσov méson, das Mittlere und κρίνειν krínein‚ (unter-)scheiden, trennen. Definition: Medienkritik beschreibt im weitesten Sinne die prüfende Analyse und Beurteilung eines (informations-)vermittelnden Gegenstandes. Ins Visier der Kritik geraten heute vorrangig verschiedene Aspekte der journalistischen Berichterstattung.

Medienkritik bezeichnet aber auch breitere gesellschaftliche Diskurse über (Massen-)Medien, deren Produktion, Verbreitung, → Inhalte sowie die → Rezeption des Publikums. Abhängig von der theoretischen (und/oder fachspezifischen) Perspektive kann Medienkritik als Gesellschafts- und Sozialkritik (Fuchs 2020a; van den Ecker/Tröger 2022), als system-affirmative Kritik – zur Verbesserung des bestehenden Mediensystems – (Jarren/Neuberger 2020), als anthropologisch-technologische Kritik... Geschichte und aktuelle Debatten: Medienkritik ist so alt wie die Medien selbst. Vor ca. 2500 Jahren diskutierte Platon in seinem berühmt gewordenen Phaidros den Einfluss der Schrift auf das Gedächtnis. Platons ambivalente Rolle – er war einerseits progressiver Schriftgelehrter und gleichzeitig Kritiker der Schrift – steht paradigmatisch für die Sonderstellung von Medienkritik in Zeiten des Medienumbruchs.

Jeder dieser Umbrüche, wie der Buchdruck oder die Entwicklung von Computer und Internet, erzeugt(e) ein zugehöriges medienkritisches Denk- und Handlungsgerüst. Mithilfe von Medien werden Informationen gespeichert, bearbeitet und verbreitet. Mit ihren Strukturen und Erzählungen prägen Medien unser Weltbild. Das macht sie zu mächtigen Akteur:innen und lässt automatisch Kritik laut werden (Redaktion Netzdebatte 2016). Zusätzlich wirken die Möglichkeiten digitaler Kommunikation als Katalysatoren medienkritischer Debatten. Wissenschaftlich fundierte Medienkritik – beispielsweise das aus der Medienpädagogik stammende Konzept der Medienkritik als Teildimension von Medienkompetenz – basiert auf verschiedenen Fragen: Geht es um Medienstrukturen oder geht es um menschliche oder algorithmischen Akteur:innen,...

Ist das Ideal der → ‚Objektivität‘ von Journalist:innen sozial und institutionell möglich (vgl. Hilker et al. 2023)? Oder geht es darum, inwiefern das Medium selbst (also Sprache, Bild, audiovisuelle Botschaft) überhaupt Mittel einer ‚objektiven‘ Information sein kann (Schmitt 2021)? Entsprechend dieser Problemstellungen fächert sich der Begriff Medienkritik in verschiedene, sich überlappende Bedeutungsdimensionen auf. Medienkritische Auseinandersetzungen reichen von Formen alltäglicher Medienkritik über werkbezogene und journalistische Kritiken bis hin zu unterschiedlichen wissenschaftsdisziplinären Ansätzen der Medienkritik.

Der folgende Beitrag legt den Schwerpunkt auf Medienkritik im Kontext pädagogischen Handelns. Nach der Skizzierung von historischen Entwicklungslinien zur Medienkritik und Problemfeldern der Digitalisierung gibt der Beitrag einen Überblick zu Praxisfeldern und zu ausgewählten Aspekten einer pädagogisch motivierten Medienkritik. Horst Niesyto ist in den Ruhestand getreten. This is a preview of subscription content, log in via an institution to check access. Tax calculation will be finalised at checkout Aßmann, S., Brüggen, N., Dander, V., Gapski, H., Sieben, G., Tillmann, A., & Zorn, I.

(2016). Digitale Datenerhebung und -verwertung als Herausforderung für Medienbildung und Gesellschaft. Ein medienpädagogisches Diskussionspapier zu Big Data und Data Analytics. http://www.gmk-net.de/fileadmin/pdf/bigdata_diskussionspapier_gmk_kbom.pdf. Zugegriffen am 30.03.2019. Please wait a moment while we ensure the security of your connection.

This website is hosted by GESIS. If you have any complaints or notes about the service, please contact admin@ssoar.info and we will assist you as soon as possible.-- Imprint Medien geben Orientierung. Medienkritik schafft Orientierung über diese Orientierungen. Sie bringt sie zur Sprache, deckt ihre Entstehungskontexte auf. In einer Gesellschaft, in der Weltanschauungen und Erlebnisweisen von Medien geprägt sind, ist die öffentliche Medienkritik ein unverzichtbares Medium gesellschaftlicher Verständigung und Selbstreflexion.

Was leistet Medienkritik für diese Verständigung? Was kann sie leisten? Darüber schafft das Projekt auf drei Wegen mehr Klarheit. (1) Die Analyse der inhaltlichen Leistungen der Medienkritik untersucht Formen programm- oder sendungsbegleitender Fernsehkritik aus einem breiten Spektrum von Printmedien daraufhin, welchem Darstellungsanliegen die Texte folgen (Unterhaltung, Kommentierung, Hintergrundinformationen o.a.), in welcher Hinsicht die... Darüber hinaus werden öffentliche Debatten analysiert, in denen die Rolle der Medien in Gesellschaft oder Politik problematisiert worden ist - wie im Kontext des letzten Bundestagswahlkampfs („TV-Duelle“), in der ausführlichen Metaberichterstattung über die Berichterstattung... Die Argumentations- und Diskursanalysen rekonstruieren typische Deutungsmuster öffentlicher Medienkritik.

Diese Deutungsmuster geben an, welches Verständnis die Gesellschaft von ihrer Medialisierung hat. Auf Basis der Inhaltsanalysen lassen sich mehrere Typen fernsehbezogener Publizistik unterscheiden: Programm- und Boulevardpresse praktizieren mit Service- und Unterhaltungsjournalismus, die die Attraktivität des Unterhaltungsmediums Fernsehen nutzen und fortschreiben, eine Art publizistischer Symbiose mit dem... Vor allem in der überregionalen Presse findet sich ein breites Spektrum von Textsorten, die der öffentlichen Reflektion eine Grundlage geben. Sie reichen von der Programmkritik, die an den Maßstäben der Kunstkritik geschult ist, über ein zeitdiagnostisches Räsonnement, das Fernsehsendungen als Zeit-Zeichen liest, bis zum parodistischen Spiel mit den Unterhaltungsofferten des Fernsehens. Die medienjournalistische Berichterstattung über Kontexte und Hintergründe ist allerdings durch eine „Ökonomisierung“ der Perspektive auf das Medium Fernsehen verengt. Die Kritik an der telegenen Darstellung von Politik und Politikern wird durch die publizistische Parteilichkeit in politischen Konflikten perspektivisch verengt.

(2) Die Analyse des Systems der Medienkritik untersucht, in welche redaktionellen Strukturen die ‚Produktion' von Programm- und Medienkritik eingebettet ist, welche Handlungsoptionen und Abhängigkeiten damit einhergehen, welche ‚Umwelten' die Medienkritiker beobachten, an welchen Akteuren... Auf diese Weise werden die institutionellen Strukturen und die ‚Netzwerke' transparent gemacht, die das ‚System' der Medienkritik ausmachen. Die Befunde zeigen, dass die Strukturen, die Medienjournalismus und –kritik tragen, fragil und volatil sind. Die Binnenorientierung an den Akteuren der Branche, eine schwache Institutionalisierung innerhalb der Redaktionen sowie in der Profession und schließlich eine starke Abhängigkeit von den Konjunkturen des Zeitungsgeschäfts schwächen das publizistische Potenzial von Medienjournalismus und... Kommunikationswissenschaft ist eine wissenschaftliche Forschungsdisziplin im Bereich der Sozial- und Geisteswissenschaften, die sich mit Vorgängen der menschlichen Kommunikation befasst. Die Forschungsinhalte unterscheiden sich zwischen den verschiedenen Universitäten zum Teil erheblich.

Eine Ausrichtung befasst sich insbesondere mit medialer und Massenkommunikation und wird oft auch Publizistikwissenschaft genannt. Unter anderem ist Zeitungswissenschaft ein Vorläufer dieser Integrations- und Sozialwissenschaft, mit Ansätzen auch aus dem Recht, der Psychologie und den Wirtschaftswissenschaften. Eine andere Ausrichtung beschäftigt sich vorrangig mit Individualkommunikation und hat Berührungspunkte zu Linguistik (vor allem Pragmatik), Philosophie, Semiotik und Soziologie. Das Arbeitsgebiet der Kommunikationswissenschaft überschneidet sich mit dem der Medienwissenschaft, die vor allem kulturwissenschaftliche und medienhermeneutische Fragen in den Vordergrund stellt. Verwandte Bereiche sind auch Sprechwissenschaft und Sprecherziehung. Die einzelnen Forschungsfelder der Kommunikationswissenschaft verdeutlicht am einfachsten die Lasswell-Formel: (1) Wer sagt (2) was (3) auf welchem Weg (4) zu wem (5) mit welchem Effekt?

Anhand des Prozesses der öffentlichen Kommunikation, der hier beschrieben wird, lassen sich die Forschungsfelder der Kommunikationswissenschaft systematisieren: (übergeordnet) Forschung zu institutionellen Rahmenbedingungen und Organisationen, (1) Kommunikatorforschung (Journalistik und PR-Forschung), (2) Medieninhaltsforschung, (3) Medienforschung/Medienanalyse, (4)... Die Kommunikatorforschung befasst sich mit Medienakteuren und ihrer Einbindung in bestimmte Organisationen. Grundlegende Forschungsfragen sind: Welche Einstellungen, Motivation, Interessen, Ausbildung usw. haben Journalisten, PR-Fachleute und andere Kommunikatoren? Welchen Zwängen unterliegen sie, worin sind sie frei, wie arbeiten sie, wie entscheiden sie sich für Themen und Darstellungsweisen? Hierunter fällt auch die Gatekeeper-Forschung, welche sich mit dem Journalisten als Einflussfaktor auf Kommunikationsinhalte beschäftigt.

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