Querdenker Bewegung Auch Fünf Jahre Nach Corona Noch Aktiv
Vor fünf Jahren veränderte das Coronavirus unser Leben radikal. Während einige bis heute an den Folgen leiden, spaltete der Umgang mit der Pandemie auch die Gesellschaft. Besonders umstritten: die Querdenker-Bewegung. „So entwickelte sich am Samstagnachmittag rund um die Querdenken-Kundgebung zwischen Brandenburger Tor und Siegessäule eine teils bizarre Szenerie. Junge und alte Männer und Frauen hatten sich da versammelt, Hippies, manche hatten im Tiergarten kleine Lager aufgeschlagen, Kinder spielten dort. Zwischendrin verteilte die NPD Flugblätter, vereinzelt waren auch Flaggen des Deutschen Kaiserreichs zu sehen.
Masken wurden nicht getragen und der Sicherheitsabstand trotz ständiger Ermahnungen kaum gewahrt. Als Ballweg (Anm. der Red.: Michael Ballweg, Mitinitiator der Querdenken-Bewegung) seine Mitstreiter über Lautsprecher von der Bühne neben der Siegessäule aufrief, die Hand aufs Herz zu legen, folgten ihm viele. ‚Mit der Hand auf dem Herzen setzen wir ein Zeichen für Liebe und Frieden in der Welt‘, sagte Ballweg. Seine Sympathisanten wirkten da eher wie Jünger.“ Ganz ähnlich wie diese Darstellung, die am 30.
August 2020 im Anschluss an eine Großdemonstration in Berlin in der „Süddeutschen Zeitung“ erschien, lasen sich zahlreiche Medienberichte über die seit dem Frühjahr 2020 in zahlreichen Orten der Bundesrepublik stattfindenden Versammlungen, in deren Rahmen... Die rasch mit dem Etikett des „Querdenkens“ versehenen Demonstrationen fanden deutlich mehr Aufmerksamkeit als jene Versammlungen, die von Kulturschaffenden und Gastronomen organisiert worden waren, um auf deren prekäre ökonomische Lage aufmerksam zu machen. Anfangs fanden sich bei den Versammlungen von „Querdenken“ oder Gruppen wie der „Kommunikationsstelle Demokratischer Widerstand“ mehrere Menschen ein, die offenbar die Sorge um die Einschränkung demokratischer Freiheiten oder die ökonomischen Folgen der staatlich angeordneten... Bald schon setzten sich jedoch Verschwörungserzählungen als verbindendes Element unter der Mehrheit der Teilnehmenden durch. Sieht man das Coronavirus SARS-CoV-2 als kaum gefährlicher als eine Grippe an – falls man es nicht ohnehin als Erfindung betrachtet –, so liegt es auf der Hand, zu vermuten, dass die zeitweise tief... Entsprechend stimmte auch ein sehr hoher Prozentsatz der 1.150 Teilnehmer*innen einer großen „Querdenken“-Demonstration in Konstanz im Oktober 2020 bei einer Befragung Aussagen zu, dass die Gefährlichkeit des Virus nicht gegeben sei, die Regierung die...
Bei den beiden Großdemonstrationen in Berlin, Anfang und Ende August 2020, bedienten die Redner*innen auf vielfältige Weise die Interpretation, nach der die staatlichen Maßnahmen einem ganz anderen Zweck dienten – und das Publikum schien... In Situationen der existenziellen Krise können Verschwörungserzählungen dem nach Verstehen und Sicherheit suchenden Individuum nicht nur eine (scheinbar) eindeutige Erklärung dafür bieten, was gerade passiert. Sie reduzieren auch das Gefühl der Verunsicherung und Bedrohung und stiften ein Gefühl der Zugehörigkeit zu all denen, die ebenfalls „verstanden“ haben, dass es der Regierung (oder wahlweise einer die Regierung kontrollierenden Gruppe) bei... Die „soziale Landkarte“, die Verschwörungserzählungen zeichnet, ruft vier Gruppen auf: die kleine Kerngruppe der Verschwörer*innen; eine deutlich größere Gruppe, die dieser Kerngruppe naiv, opportunistisch oder aus Gewinninteresse zuarbeitet; die große Mehrheit der Bevölkerung, die... Die Selbstbezeichnung als „Querdenker“ spiegelt bereits ein Paradigma aus Verschwörungserzählungen wider: „Nichts ist, wie es scheint. Hinterfrage alles.“
Was wurde eigentlich aus den "Querdenkern" und ihren Corona-Protesten? Psychologe Marius Raab erklärt, mit welchen Themen die Bewegung die durch den Wegfall der Pandemie-Maßnahmen entstandene Lücke füllen – und wie ihre Erfolgschancen stehen. "Die Unzufriedenheit der Leute ist mit dem Abflauen der Pandemie nicht verschwunden." Herr Raab, Sie forschen zu Verschwörungstheorien und beobachten die Entwicklung der "Querdenker-Bewegung". Erkennen Sie eine Zersplitterung der Bewegung angesichts wegfallender Corona-Maßnahmen? Marius Raab: Die Corona-Proteste waren schon immer - das zeigen schon frühe empirische Untersuchungen - sehr heterogen.
Da kamen Menschen ganz unterschiedlicher Weltanschauung auf den Marktplätzen zusammen. Wenn jetzt Corona unseren Alltag immer weniger bestimmt, ist eine Zersplitterung zu erwarten. Bei Themen wie Klima, Krieg, Energie und Migration haben unterschiedliche Weltanschauungen deutlich unterschiedlichere Ansichten als bei der Beurteilung der Corona-Maßnahmen. Die Unzufriedenheit der Leute ist mit dem Abflauen der Pandemie nicht verschwunden, aber die unterschiedlichen und tieferliegenden Gründe dafür kann man besser sehen, verstehen und auch angehen, wenn nicht mehr alles von Corona bestimmt... Werden sich durch Aktionen wie die Reichsbürger-Razzia mehr Menschen aus diesem Spektrum ins Darknet zurückziehen? Und was heißt das für deren politische Meinungsbildung künftig?
Bei der Querdenken-Bewegung laufen schon länger Extremisten mit. Eine Chronologie der Demonstrationen gegen die Corona-Politik. Seit Beginn der Corona-Krise haben die Organisatoren von Querdenken bundesweit Zehntausende Menschen mobilisiert. Immer wieder gehen sie auf die Straße, um gegen die Corona-Politik der Bundesregierung zu protestieren. Immer wieder verstoßen sie dabei gegen Versammlungsauflagen wie die Gebote zum Masketragen oder Abstandhalten. Und immer wieder gibt es rechtsextreme Äußerungen, Verschwörungsmythen und Gewalt gegen Journalisten und Polizisten.
Nun werden Teile der Bewegung vom Bundesamt für Verfassungsschutz beobachtet. Bei den Demonstrationen sei teilweise eine wachsende Gewaltbereitschaft zu beobachten, sagt Innenminister Horst Seehofer. Rechtsextremisten versuchten, sich der Bewegung zu bemächtigen. Für die Entscheidung, die Bewegung zu beobachten, hat der Verfassungsschutz lange gebraucht. Schon vor Monaten waren extremistische Tendenzen sichtbar. Eine Chronologie der Corona-Demonstrationen.
Korrekturhinweis: In einer früheren Version dieses Artikels war zu lesen, dass am 10. April 2020 Tausende Menschen zu einer Querdenken-Demonstration nach Stuttgart gekommen seien. Das ist nicht korrekt. Die erste Querdenken-Demonstration fand erst am 18. April 2020 statt und hatte Medienberichten zufolge etwa 50 Teilnehmer. Das Bundesverfassungsgericht hat kurz zuvor zu dieser Demonstration geurteilt und nicht wie von uns geschrieben zu der Demonstration am 25.
April. Bei Querdenkern kursieren zahlreiche Verschwörungserzählungen, aber die Szene passt nicht in die gängigen Rechts-Links-Muster. Warum der Verfassungsschutz nun Teile der Bewegung beobachtet. Vor genau fünf Jahren erklärt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) den Corona-Ausbruch offiziell zur globalen Pandemie. Welche Folgen hatte das Virus auf unsere Gesellschaft und welche Spuren sind bis heute geblieben? Das beleuchtet der WDR-Podcast "CUT" in seiner zweiten Staffel.
Es ist der 11. März 2020. Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat COVID-19 offiziell als weltweite Pandemie eingestuft. Kurze Zeit später wird in Deutschland der erste Lockdown verkündet. Bars, Diskotheken, Clubs, Kneipen, Theater, Opern, Konzerthäuser, Museen und ähnliche Einrichtungen müssen schließen. Im März 2020 hat auch in Deutschland die Corona-Pandemie so richtig begonnen.
Eine Pandemie, durch die weltweit fast sieben Millionen Menschen sterben, 175.000 davon in Deutschland. Eine Pandemie, die unsere Gesellschaft auf eine harte Probe stellt, die uns auseinanderbringt und Freundeskreise und Familien entzweit. Das zeigt das Beispiel von Illo, der mit seinem tatsächlichen Namen nicht in die Öffentlichkeit gehen möchte, und Jasmin. Beide wollen auch nicht mit Foto gezeigt werden. Die Geschwister sind sich ziemlich ähnlich. Er ist 32, lebt in Hannover und beschäftigt sich in seiner Freizeit damit, Computersysteme zu hacken.
Sie ist 30, lebt in Hamburg und hat sich das Programmieren zum Hobby gemacht. Die beiden sind rational denkende Menschen, hinterfragen Dinge und lieben ihre Familie. Illo und Jasmin haben ein gutes Verhältnis zueinander. "Ich würde Illo als loyalen Menschen beschreiben. Als kritisch, intelligent, ehrgeizig und kognitiv stark", sagt Jasmin. "Sie ist auf jeden Fall sehr ehrgeizig, sehr emotional.
Hilfsbereit, empathisch, sportlich und beliebt", beschreibt Illo seine kleine Schwester. Die „Querdenker“ mobilisieren zu einem weiteren Protestsommer, doch bisher kommt kaum jemand. Die Pandemie pausiert zumindest, das Geschäftsmodell von Michael Ballweg & Co. hat Flaute. Doch die Bewegung kam nicht aus dem Nichts, und sie wird auch nicht verschwinden. Berlin.
Die Revolution musste wieder einmal ausfallen. Es fehlten die Revolutionäre. Nur knapp hundert Menschen stehen und sitzen an einem sengend heißen Samstag im Juni vor dem Schloss Charlottenburg im Westen Berlins. An diesem Tag, so war es der Plan der Versammelten, sollte die Bundesregierung zum Rücktritt gezwungen werden. In Kreisen der Corona-Maßnahmengegner, unter Reichsbürgern, Verschwörungsgläubigen und Esoterikern war dafür geworben worden. Die Protestbewegung der „Querdenker“ und Maßnahmengegner ist eine Szene voller Missionierungsdrang und großer Worte.
Ihre Kritik an der Bundesregierung kommt selten ohne die abenteuerliche Diagnose einer „Corona-Diktatur“ aus, die Mobilisierung zu ihren Protesten oftmals nicht ohne die Vokabel von der „Großdemonstration“. Das Motto für die nächste „Großdemo“ mit den Promis der Bewegung wie dem schwäbischen Protestunternehmer Michael Ballweg am kommenden Wochenende in Bochum lautet „Grundrechte total“. Das klingt fast wie „Totalräumungsverkauf“. Denn die Szene schwächelt zunehmend. Die Soziologen Oliver Nachtwey und Nadine Frei haben in einer Studie untersucht, wer an den Corona-Protesten teilnimmt und wie sie denken. Im Interview sprechen sie über überraschende Ergebnisse, anti-autoritäre Autoritäre und die Dialektik des Emanzipationsprozesses.
In der jüngst an der Universität Basel erschienenen Studie „Politische Soziologie der Corona-Proteste“ gehen die Soziologen Oliver Nachtwey, Robert Schäfer und Nadine Frei der Frage nach, wie Mitglieder der „Querdenken“-Bewegung in Deutschland und der... Dabei nutzten sie sowohl Umfragen in Telegram-Gruppen, bei denen mehr als 1150 Personen teilnahmen, als auch Feldrecherchen bei Corona-Protesten in Konstanz oder Leipzig. Die Ergebnisse sind zwar explorativ und können keinen Anspruch auf Repräsentativität erheben, liefern jedoch wichtige Erkenntnisse für die aktuelle Debatte. Philosophie Magazin: Frau Frei, Herr Nachtwey, in Ihrer Studie „Politische Soziologie der Corona-Proteste“ haben Sie die Zusammensetzung und Denkweisen der „Querdenken“-Bewegung untersucht. Was hat Sie bei den Ergebnissen selbst am meisten überrascht? Nadine Frei: Was die Umfragen in den Telegram-Gruppen betrifft, fand ich persönlich manches nicht unbedingt überraschend, weil ich mir zuvor etwa schon die Demonstration in Konstanz angeschaut hatte.
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