Wille Zur Macht Metzler Lexikon Philosophie Spektrum De

Emily Johnson
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in Nietzsches Spätwerk dionysische Urkraft und Antrieb des »Rad des Seins« (Also sprach Zarathustra. 3. Teil, Der Genesende). Er wirkt im Menschen und in der Welt als Grundstruktur alles Werdens und Vergehens zum Zweck der Selbsterhaltung und Selbststeigerung. Beim Menschen entfaltet sich der W. z.

M., den es nur im Vollzug gibt, in der Bejahung der Kreisläufe von Leben und Tod, Lust und Schmerz. Nur durch emphatisches Vorantreiben aller natürlichen Zyklen kann der »Übermensch«, das Ziel der Menschheit, hervorgebracht werden. Wird dem W. z. M. kein freier Lauf gelassen, zeigt sich seine Ambivalenz: Es kommt zur Sublimierung von sonst natürlichen menschlichen Affekten und Trieben wie Freude, Aggression, Kreativität.

Sie wenden sich einerseits selbstzerstörerisch nach innen, anderseits erzeugen sie ein Ressentiment gegen den anderen. Daher sind für Nietzsche das christliche Moralsystem (Herrenmoral/Sklavenmoral) sowie die abendländische »theoretische« Kultur Folgen des Wirkens des W. z. M. Wenn Sie inhaltliche Anmerkungen zu diesem Artikel haben, können Sie die Redaktion per E-Mail informieren. Wir lesen Ihre Zuschrift, bitten jedoch um Verständnis, dass wir nicht jede beantworten können.

Der Wille zur Macht ist ein Gedanke Friedrich Nietzsches, der von ihm zum ersten Mal in Also sprach Zarathustra vorgestellt und in allen nachfolgenden Büchern zumindest am Rande erwähnt wird, z. B. im fünften Buch der Fröhlichen Wissenschaft, das 1887 erscheint. Seine Anfänge liegen in den psychologischen Analysen des menschlichen Machtwillens in der Aphorismensammlung Morgenröte. Nietzsche führte ihn in seinen nachgelassenen Notizbüchern ab etwa 1885 umfassender aus. Die erste Erwähnung des Begriffs im Nachlass stammt von 1876/77: „Furcht (negativ) und Wille zur Macht (positiv) erklären unsere starke Rücksicht auf die Meinungen der Menschen.“[1]

Die Deutung des Gedankens des „Willens zur Macht“ ist stark umstritten. Nach Nietzsche ist der „Wille zur Macht“ ein dionysisches Bejahen der ewigen Kreisläufe von Leben und Tod, Entstehen und Vergehen, Lust und Schmerz, eine Urkraft, die das „Rad des Seins“ in Bewegung hält: „Alles... Alles stirbt, alles blüht wieder auf, ewig läuft das Jahr des Seins.“[2] In einem Nachlassfragment von 1885 deutet Nietzsche selbst an, wie man diesen vielschichtigen Begriff verstehen könnte: „…Diese meine dionysische Welt des Ewig-sich-selber-Schaffens, des Ewig-sich-selber-Zerstörens … dies mein Jenseits von Gut und Böse, ohne Ziel, wenn nicht im Glück des Kreises ein Ziel liegt … Wollt ihr einen Namen für diese... … Ein Licht für euch, ihr Verborgensten, Stärksten, Unerschrockensten, Mitternächtlichsten? … Diese Welt ist der Wille zur Macht – und nichts außerdem!

Und auch ihr seid dieser Wille zur Macht – und nichts außerdem!“[3] Nietzsche ist vor allem durch seine Schopenhauer-Lektüre und dessen Willens-Metaphysik auf den Gedanken des Willens zur Macht gekommen. Anders als Schopenhauers „Wille zum Leben“ ist für Nietzsche der Wille zur Macht jedoch kein Phänomen des Lebens, sondern des Erkennens. Zwar sind auch für Nietzsche die Triebe Fundamente allen Erkennens, denn aus ihnen geht erst das Erkennen hervor, aber es geht nun darum, inwiefern „eine Umwandlung des Menschen eintritt, wenn er endlich nur noch... „Nur wo Leben ist, da ist auch Wille: aber nicht Wille zum Leben, sondern – so lehr ich’s dich – Wille zur Macht!“[5] Auf unserer Webseite werden neben den technisch erforderlichen Cookies noch Cookies zur statistischen Auswertung gesetzt.

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Er gehört zu den meist zitierten und diskutierten Autoren der abendländischen philosophischen Tradition. Warum ist das so? In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, als Nietzsche schrieb, philosophische Abhandlungen und Aphorismen, aber auch literarische Texte wie die Dionysos-Dithyramben, deutete wenig auf eine derart durchschlagende Wirkung. Nietzsche selbst fühlte sich oft verkannt. „Ich selber bin noch nicht an der Zeit, Einige werden posthum geboren“, so schätzte er die eigene Stellung in der späten Schrift Ecce Homo ein.

Der weit reichende Einfluss seines Denkens sollte sich tatsächlich erst nachträglich entfalten; er setzte spätestens mit der Jahrhundertwende (Nietzsche starb im August 1900) ein und verstärkte sich mit der Publikation unveröffentlichter Manuskripte aus dem... Zu erwähnen sind besonders die späten fragmentarischen Notizen, die alle großen Themen der Philosophie Nietzsches behandeln und die zuerst 1901 unter dem – freilich irreführenden – Titel Der Wille zur Macht erschienen. Warum aber avanciert Nietzsche zu einem der wirkmächtigsten Denker im 20. Jahrhundert und darüber hinaus? Wohl vor allem, weil er als äußerst scharfsichtiger Kritiker hervortritt und damit dem Krisenbewusstsein Ausdruck gibt, das die Moderne im 20. und 21.

Jahrhundert mit ihren Brüchen und den Katastrophen der beiden Weltkriege wie ein Schatten begleitet. Nietzsche stellt geläufige Begriffe der Moral, der Religion, der Politik, der Wahrheit und ihrer Wertschätzung, vertraute Kategorien wie „Ich“ und „Selbst“, mit Hilfe derer wir uns als menschliche Subjekte thematisieren, in Frage. Damit ist er nicht zuletzt hier und heute wieder einmal hochaktuell. Sehen wir nicht, wenn wir über die gegenwärtige Weltordnung nachdenken, dass der Wert der Wahrheit unverblümt in Zweifel gezogen wird, dass die Idee allgemeiner Menschenrechte von der Hauptbühne verschwindet und in den Hintergrund gerät,... Wollte man einen Hauptgedanken identifizieren, der Nietzsches Beiträge zu den genannten Themen durchzieht, so ist es der Gedanke des „Willens zur Macht“. In allem, nicht zuletzt in Moral, Recht und Politik sieht er diesen Willen wirksam.

Nietzsche denkt Macht dabei nicht unbedingt als krude Dominanz oder gar Gewalt. Die Grundidee ist, dass jeder Mensch in sich selbst und in seinen Relationen zu den Anderen ein dynamischer Zusammenhang gegensätzlicher Kräfte oder Mächte ist. So kommt er nicht umhin, sich selbst und anderes und die Verhältnisse zwischen ihnen als ein Gefüge wechselnder „Rangordnungen“ zu begreifen, in Gestalt derer die verschiedensten Kräfte sich je und je neu organisieren. Jede Einheit und selbst das angeblich unteilbare Individuum ist nach Nietzsches Analyse „dividuum“ (MA I 57), das heißt geteilt und plural verfasst. Je mehr Spannungen solche Einheiten aushalten und zu integrieren vermögen, desto stärker, perspektiv- und facettenreicher zeigen sie sich. Nietzsche begrüßt den Antagonismus der Kräfte, der immer zu fördern und keinesfalls zu unterdrücken sei, als Bedingung für die Entwicklung und Produktivität von Individuum und Gesellschaft.

Nur an Herausforderungen, so ist er überzeugt, können sie wachsen und ihr Potential entfalten. Dies gilt für alle Lebensbereiche, es ist Ausdruck der Lebendigkeit selbst. Diese grundlegenden Überlegungen Nietzsches bilden den Ausgangspunkt für die Kritik, die er an überkommenen Vorstellungen von Moral, Recht, Politik, Erkenntnisstreben und Religion übt. Wie stellen sie sich dar, so fragt er, wenn wir sie „unter der Optik des Lebens“ betrachten? (GT,Selbstkritik 4) Nietzsche findet im Zuge seiner Analysen heraus, dass sie meistenteils und uneingestanden auf einem Dualismus, genauer: einer Zweiweltenlehre, beruhen. Auf der einen Seite steht die Welt unserer Erfahrung in ihrer Vielfältigkeit und Vieldeutigkeit, ihrer Vergänglichkeit und Unvollkommenheit.

Sie ist ein Geflecht verschiedenster Kräfte oder Mächte, das in ständiger Veränderung begriffen ist. Alles Einzelne, was es auch sei, Dinge, Menschen, ihre Gedanken und Taten oder sogenannte Werte, steht in Relation zu allem anderen und gewinnt erst dadurch seinen momentanen und stets vorläufigen Sinn und Stellenwert. Auf der anderen Seite, so Nietzsche, arbeitet zum Beispiel die Moral mit fixen und sogar absolut geltenden Standards wie „gut“ und „böse“. Denn wenn wir Akteure und ihre Handlungen als moralisch gut oder böse beurteilen, behaupten wir nicht, dass wir damit etwas über ihren Sinn und Wert im Hinblick und mit Rücksicht auf jene situativ bestimmten... Vielmehr urteilen wir dann über diese Akteure und ihr Tun und Lassen nach Maßstäben, die ganz unabhängig von den jeweiligen Macht- oder Kräfteverhältnissen zu gelten scheinen. Bestimmte Handlungsweisen, so meinen wir, seien an sich oder per se und in diesem Sinne absolut und unter allen Umständen, eben moralisch „gut“ oder „böse“.

Nietzsche wendet sich gegen solche in seinen Augen starren Gegensätze und empfiehlt, „jenseits von Gut und Böse“ zu denken. Zwar kann die Vernunft eine „moralische Ordnung der Dinge“ nach Kategorien von Gut und Böse entwerfen und ihre Durchsetzung in der Welt unserer Erfahrung fordern. Sehen wir aber nicht, fragt Nietzsche, dass einer solchen Ordnung „durch Natur und Geschichte beständig widersprochen wird“? (M, Vorrede 3) Sehen wir nicht die unüberbrückbare Kluft, die sich zwischen der so gedachten Moral und der Wirklichkeit in Natur und Geschichte öffnet? Wird die letztere nicht im Auftrumpfen einer Moral verneint, welche die transitorischen und durch den Zufall mitbestimmten Konstellationen, die diese Wirklichkeit ausmachen, verkennt, wenn sie mit absoluten Verdikten operiert? Die „sogenannte ‚sittliche Weltordnung‘“ scheint Nietzsche zuletzt nur das Produkt der „Feigheit des ‚Idealisten‘“ zu sein, „der vor der Realität die Flucht ergreift“ (EH,Schicksal 3).

M. ist das, was eine Veränderung bewirkt, die sonst nicht stattgefunden hätte. Theoriegeschichtlich ist der aristotelische Begriff dynamis die wichtigste Wurzel des abendländischen M.-Denkens; er benennt ganz allgemein die ontologische Kraft und Fähigkeit, etwas zu verändern und zu bewirken. In den Philosophien der römischen Antike differenziert sich der Begriff aus (potentia, potestas, auctoritas) und wird um politische Konnotationen erweitert. In der Philosophie der Frühen Neuzeit rückt der M.-Begriff stärker ins Zentrum, wenn Thomas Hobbes etwa dem Menschen unersättliches M.-Streben zuschreibt und eine Zentralisierung aller M. in einer einzigen Gewalt empfiehlt oder Baruch de Spinoza seine Erläuterung aller menschlichen Vollzüge auf ein Selbstbeharrungsstreben bezieht, das sich im menschlichen Vermögen (potentia) und damit der menschlichen M.

realisiert, andere Dinge und Personen zu affizieren und von ihnen affiziert zu werden. Ab der frühen Moderne verengt sich der Begriffsgebrauch zunehmend und bezieht sich vornehmlich auf die Fähigkeit von Menschen, andere Menschen anzuleiten und/oder zu etwas zu zwingen. Die allgemeine Frage der M. oder des Wirkens verwandelt sich zunehmend in eine Frage der Regierung (und ihrer Legitimität) oder der Herrschaft (und ihrer Gewalt). In den Philosophien des 19. Jh.

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