Die Debatte Um Lebensmittelverschwendung Ernährungsradar

Emily Johnson
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Warum landet eigentlich ein Drittel aller Lebensmittel weltweit im Müll statt auf dem Teller? Und was können die verschiedenen Akteure, vom Privathaushalt bis zur Politik, tun, um diese Verschwendung von wertvollen Ressourcen zu reduzieren? Wir haben Expertinnen und Experten diese Fragen gestellt – und Antworten erhalten. Die Beiträge wurden vom Kompetenzzentrum für Ernährung (KErn) eingeholt. KLAV – Kompetenzstelle zur Vermeidung von Lebensmittelabfällen und -verlusten Zuerst müssen wir das Bewusstsein bei allen Beteiligten schärfen – von der Produktion über die Verarbeitung, Handel und Gastronomie bis zum Endverbrauch.

Besonders wichtig ist dabei die Kommunikation an den Schnittstellen. Oft entstehen Abfälle, weil Informationen entlang der gesamten Versorgungskette verloren gehen oder falsch interpretiert werden. Bei der verbesserten Zusammenführung von Angebot und Nachfrage könnten zum Beispiel moderne Tools der KI nützlich sein. Die Wissenschaft kann helfen, wichtig ist aber die Überführung der Erkenntnisse in die Praxis. Wir raten außerdem zu Vorsicht beim Begriff „Verschwendung“. Er ist zwar emotional stark, wirkt aber schnell abschreckend.

Der Fokus sollte auf den Chancen liegen: Kosteneinsparung, Ressourcenschutz, Klimanutzen. Während Verbraucherinnen und Verbraucher oft emotional und rational reagieren, stehen bei Unternehmen eher betriebswirtschaftliche Gründe im Vordergrund. Berlin/Stuttgart, 1. April 2025 – Essen ist weit mehr als reine Nahrungsaufnahme: 84 Prozent der Deutschen setzen sich bewusst mit ihrer Ernährung auseinander. Für die Mehrheit ist Ernährung ein zentrales Thema, doch die öffentliche Debatte empfinden viele als spaltend und bevormundend. Laut der aktuellen Ernährungsstudie der Robert Bosch Stiftung und der Organisation More in Common wünschen sich die Bürger:innen eine Politik, die gesunde, regionale und bezahlbare Lebensmittel fördert – ohne Vorschriften oder Verbote.

Gleichzeitig fordern sie mehr Mitsprache bei der Gestaltung des Ernährungssystems. Für die Studie„Meine, deine, unsere? Was uns als Gesellschaft beim Thema Ernährung wichtig ist” wurden im September und Oktober 2024 Menschen zu ihren Gedanken und Wünschen rund um das Thema Ernährung befragt. Die Mehrheit der Menschen in Deutschland (62 %) ist mit ihrer Ernährung zufrieden. Geschmack (89 %), Preis (76 %) und gesundheitliche Aspekte (72 %) beeinflussen ihre Lebensmittelwahl am stärksten. Aber auch gesellschaftliche Faktoren wie Regionalität und Tierwohl gewinnen an Bedeutung.

Viele Befragte geben an, sich eigentlich gesünder und nachhaltiger ernähren zu wollen, sehen aber Alltagsstress, steigende Preise und den „inneren Schweinehund“ als Hindernisse. Gleichzeitig fühlen sich viele Menschen durch die öffentliche Ernährungsdebatte unter Druck gesetzt: 70 Prozent empfinden sie als polarisierend, 42 Prozent fühlen sich durch andere Ernährungsstile angegriffen. Besonders deutlich wird dies an den Spannungen zwischen Veganer:innen und Fleischesser:innen, die einander oft abwertend begegnen. „Wir wollen dazu beitragen, den Diskurs rund um das Thema Ernährung zu versachlichen“, sagt Dr. Tabea Lissner, Teamleiterin Klimawandel bei der Robert Bosch Stiftung. „Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass viele Menschen mitreden und mitgestalten wollen.

Eine gesunde und nachhaltige Ernährung ist eine gemeinsame Aufgabe – Politik, Wirtschaft und Gesellschaft müssen die Rahmenbedingungen schaffen und die Menschen einbeziehen.“ Die im Februar 2019 vom damaligen Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft vorgelegte Nationale Strategie zur Reduzierung der Lebensmittelverschwendung nimmt die gesamte Lebensmittelversorgungskette in den Blick. Ziel ist es, bis 2030 die Lebensmittelabfälle in Deutschland deutlich zu reduzieren und und auch Lebensmittelverluste weiter zu verringern. Dafür wird die Strategie kontinuierlich weiterentwickelt. In Deutschland entstehen ca. 10,8 Millionen Tonnen Lebensmittelabfälle im Jahr (Stand 2022).

Wer also die Lebensmittelverschwendung reduziert, der betreibt aktiven Ressourcen- und Klimaschutz. Lebensmittelabfälle entstehen in jedem Sektor– von der Primärproduktion und der Verarbeitung, über den Handel und die Außer-Haus-Verpflegung bis zu den privaten Haushalten. Daher gilt es, die Lebensmittelversorgungskette so zu gestalten, dass Lebensmittelabfälle und -verluste in jedem Sektor und an Schnittstellen zwischen den Sektoren möglichst vermieden werden. Dafür braucht es Verhaltensänderungen bei allen Akteuren und gemeinsame Anstrengungen. Im Rahmen der EU-Berichterstattung wird das Aufkommen der Lebensmittelabfälle über die gesamte Lebensmittelversorgungskette für Deutschland seit 2020 jährlich ermittelt und jeweils im Folgejahr an die EU-Kommission berichtet. Zusätzlich berichten beispielweise die Unternehmen des Lebensmittelgroß- und -einzelhandels, die am Pakt gegen Lebensmittelverschwendung teilnehmen, sowie die Betriebe der Außer-Haus-Verpflegung, die die Beteiligungserklärung der Zielvereinbarung zwischen dem BMLEH und den Verbänden der Branche unterzeichnet...

Die Bundesregierung hat sich zum Ziel gesetzt, Lebensmittelverschwendung auf allen Ebenen zu bekämpfen. Seit der Novelle der EU-Abfallrahmenrichtlinie gelten künftig europaweit verpflichtende Reduzierungsziele für Lebensmittelabfälle. Für die Verarbeitung und Herstellung ist eine Verringerung der Abfälle um 10 Prozent bis 2030 vorgegeben. Der Einzelhandel, die Außer-Haus-Verpflegung und Haushalte werden gemeinsam betrachtet: Hier muss in Summe eine Reduzierung von 30 Prozent pro Kopf erfolgen. Lebensmittelverschwendung hat gravierende Folgen für Umwelt, Klima, Ressourcenverbrauch und die globale Welternährung. Verluste und Verschwendung von Nahrungsmitteln bereiten weltweit und auch in Deutschland große Probleme.

Rund 1/3 der globalen Nahrungsmittelproduktion wird nicht gegessen, sondern geht entlang der Lieferkette verloren oder wird weggeworfen. Mit jedem weggeworfenen Lebensmittel ist ein hoher Verbrauch an Energie, Wasser, Düngemitteln und landwirtschaftlichen Flächen verbunden. Diese Ressourcen werden vergeblich eingesetzt, wenn Lebensmittel nicht verzehrt werden. Beispielsweise werden für die Menge der weggeworfenen Lebensmittel rund 30 Prozent der weltweit verfügbaren landwirtschaftlichen Anbauflächen unnötig genutzt. Wäre die Lebensmittelverschwendung in der EU ein eigener Staat, läge sie nach Italien auf Platz 5 der größten Treibhausgas-Emittenten der EU. Wertvoller Ackerboden, Wasser und Dünger sowie Energie für Anbau, Ernte, Verarbeitung, Transport, Lagerung und Entsorgung – jedes Lebensmittel verbraucht kostbare Ressourcen.

Alle Lebensmittel, die in Deutschland hergestellt werden, benötigen Acker- oder Weideland. Der WWF Deutschland schätzt, dass durch vermeidbare Lebensmittelverluste über 2,6 Millionen Hektar landwirtschaftliche Fläche eingespart werden könnten. Das entspricht fast 15 Prozent der gesamten Fläche, die in Deutschland für unsere Ernährung benötigt wird. Besonders flächenintensiv sind tierische Produkte: Das Bürgerforum trug zum Vorschlag der Kommission zur Überarbeitung der Abfallrahmenrichtlinie und den begleitenden Maßnahmen bei. Folgende Empfehlungen kamen zum Tragen:

Die Mitgliedstaaten sind bei der Bekämpfung der Lebensmittelverschwendung noch nicht so weit vorangekommen, wie sie eigentlich zugesagt hatten. Die Festlegung rechtsverbindlicher Ziele auf Vorschlag der Kommission wird ihnen bei der Verringerung von Lebensmittelverschwendung entlang der Lebensmittelkette und in Haushalten helfen. Die Mitgliedstaaten sind verpflichtet, Maßnahmen zu treffen, haben jedoch die Freiheit, selbst zu entscheiden, wie sie diese nach ihren eigenen Bedürfnissen gestalten. Die Mitgliedstaaten müssen die Lebensmittelverschwendung auf nationaler Ebene bis 2030 (gegenüber dem Niveau von 2020) wie folgt reduzieren: Das von der Europäischen Kommission zusammengerufene Bürgerforum legte 23 Empfehlungen vor, in denen die Notwendigkeit eines breiten Ansatzes dargelegt wurde, der alle Akteure in die Pflicht nimmt und die Zusammenarbeit in der gesamten Lebensmittelkette... In Deutschland werden jährlich etwa elf Millionen Tonnen Lebensmittel verschwendet, wobei der Großteil (60 Prozent) in privaten Haushalten anfällt und nur sieben Prozent im Lebensmitteleinzelhandel.

Dennoch sieht der Bürgerrat Ernährung hier eine Stellschraube, um Lebensmittelverluste zu vermeiden und hat deshalb in seinem Gutachten vorgeschlagen, dass Supermärkte unverkaufte, aber noch genießbare Lebensmittel verpflichtend an gemeinnützige Organisationen wie z. B. die Tafeln spenden sollen. Dieser Vorschlag wurde am 23. September auf Einladung des Ausschusses für Ernährung und Landwirtschaft im Fachgespräch „Verpflichtende Weitergabe von genießbaren Lebensmitteln durch den Lebensmitteleinzelhandel“ diskutiert, stieß jedoch auf geteilte Meinungen. Geladen waren Auskunftspersonen aus Verbänden, Wirtschaft, Forschung und Recht.

Tafeln würden mehr Spenden erhaltenDr. Marie Mourad, Beraterin für Abfallvermeidung und Nachhaltigkeit, bewarb das Gesetz, das Supermärkten in Frankreich bereits seit 2016 verbietet, Lebensmittel wegzuwerfen und diese stattdessen zu spenden. „Dadurch haben die Tafeln deutlich mehr Spenden erhalten“, sagte Mourad. Auch Regina Treutwein, Bereichsleiterin Lebensmittelrettung und Logistik bei der Tafel Deutschland, begrüßte die Idee in vollem Maße. Jedoch müsse die Umsetzung in mehreren Schritten geschehen, als erstes müsse die Weitergabe von genießbaren Lebensmitteln „rechtlich sicher“ sein. Verpflichtung nicht notwendigAndere Experten, u.

a. Dr. Marcus Girnau, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des Lebensmittelverbands, betonten, dass viele Supermärkte bereits mit den Tafeln kooperieren und eine gesetzliche Verpflichtung deshalb nicht notwendig sei. „Die Lebensmittelhandelsunternehmen engagieren sich seit Jahren intensiv gegen Lebensmittelverschwendung“, so Girnau. Stattdessen seien steuerliche Erleichterungen, rechtliche Anpassungen und eine verbesserte Logistik für die Tafeln sinnvollere Maßnahme. Zusätzlich verwies Girnau auf den mit dem Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft geschlossenen Pakt gegen Lebensmittelverschwendung.

Diesen hatten im vergangenen Jahr 14 Unternehmen aus dem Lebensmittelhandel unterzeichnet. Ein weiterer wichtiger Aspekt: Die Lebensmittelverschwendung in privaten Haushalten müsse stärker adressiert werden. Fachgespräche im ÜberblickDas Fachgespräch ist das dritte aus der Reihe der öffentlichen Veranstaltungen, die der Bundestagsausschuss für Ernährung und Landwirtschaft im Nachgang zu den Empfehlungen des Bürgerrates „Ernährung im Wandel: Zwischen Privatangelegenheit und staatlichen... Am 13. Mai 2024 wurde bereits über kostenfreies Mittagessen in Schulen und Kitas gesprochen (https://www.bundestag.de/ausschuesse/a10_ernaehrung_landwirtschaft/veranstaltungen/1001618-1001618). Am 10.

September 2024 über eine Altersgrenze für Energydrinks (https://www.bundestag.de/ausschuesse/a10_ernaehrung_landwirtschaft/veranstaltungen/1014634-1014634). Das Fachgespräch „Verpflichtende Weitergabe genießbarer Lebensmittel“ kann auf der Seite des Bundestags angeschaut werden: https://www.bundestag.de/ausschuesse/a10_ernaehrung_landwirtschaft/veranstaltungen/1015342-1015342. • Deutsche Umwelthilfe, foodsharing, das Institut für Welternährung und das Netzwerk der deutschen Ernährungsräte fordern, Ernährungswende in den Koalitionsverhandlungen festzuschreiben • Aktuelles Ernährungssystem verschwendet Ressourcen und schadet dem Klima; Lebensmittelverschwendung bleibt unnötiger Treiber von Biodiversitäts- und Klimakrise und muss bis 2030 halbiert werden • Fünf Forderungen für die Ernährungswende: Ausbau der Ernährungsbildung für mehr Wertschätzung, Lebensmittelverschwendung verbindlich reduzieren, Gemeinschaftsverpflegungen mit höherem Bio-Anteil, Ernährungsräte fördern und Fleischabgabe umsetzen Berlin, 29.10.2021: Die Deutsche Umwelthilfe (DUH), foodsharing, das Institut für Welternährung und das Netzwerk der deutschen Ernährungsräte fordern SPD, Grüne und FDP auf, in ihren Koalitionsverhandlungen eine Wende in der Ernährungspolitik auf den Weg...

Aktuell werden zu viele Ressourcen verschwendet. Ein Drittel aller Lebensmittel wird für die Tonne produziert. Mehr als die Hälfte der Ackerflächen in Deutschland dient der Futterproduktion, obwohl bei Fleisch und Milch Überproduktion herrschen. Die Organisationen haben fünf Forderungen für eine Ernährungswende erarbeitet. Das Bündnis fordert einen politischen Wandel hin zu einer größeren Wertschätzung von Lebensmitteln und der Förderung von Ernährungsbildung. Initiativen, wie zum Beispiel Ernährungsräte, solidarische Landwirtschaft und foodsharing müssen gezielt gefördert werden.Hierzu Sascha Müller-Kraenner, Bundesgeschäftsführer der DUH: „Lebensmittelverschwendung zu reduzieren, ist die größte Stellschraube für eine nachhaltigere Ernährungspolitik.

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