Der Wille Zur Macht Wikipedia
Unter dem Titel Der Wille zur Macht sind seit 1901 diverse, sich teilweise erheblich unterscheidende Kompilationen aus nachgelassenen Aufzeichnungen des Philosophen Friedrich Nietzsche herausgegeben worden. Im deutschen Sprachraum ist meist eine von Elisabeth Förster-Nietzsche und Heinrich Köselitz („Peter Gast“) zuerst 1906 herausgegebene Schrift gemeint, die auch in Nietzsche-Ausgaben aufgenommen und als systematisches Hauptwerk Nietzsches angepriesen wurde. Es besteht Einigkeit darüber, dass Nietzsche zwar zeitweise ein Werk unter diesem Titel schreiben wollte und eine Vielzahl von – teilweise widersprüchlichen – Plänen dazu machte, letztlich aber davon absah. Seine Aufzeichnungen dazu gingen vor allem in die Werke Götzen-Dämmerung und Der Antichrist ein oder blieben im Nachlass verstreut. Sämtliche Kompilationen (vergleiche die unten gegebene Übersicht) gelten als unhaltbar und verfälschend (ebenso wie der von Alfred Baeumler zusammengestellte Band Die Unschuld des Werdens). Sie sind selektiv, folgen oft nicht den überlieferten Plänen Nietzsches, enthalten Entzifferungsfehler, geben von Nietzsche notierte Exzerpte als Aphorismen Nietzsches aus und enthalten Umstellungen und Zusätze durch die Herausgeber.
Dennoch wurden und werden sie weiterhin vertrieben und benutzt. In jüngster Zeit sind verschiedene der Kompilationen in Frankreich, Italien und Deutschland erneut aufgelegt worden, obwohl inzwischen die Kritischen Gesamtausgaben Nietzsches von Colli und Montinari als einzige unverfälschte Ausgaben Nietzsches anerkannt sind. Besonders im englischen Sprachraum – eine englische Übersetzung der Colli-Montinari-Ausgabe fehlt bisher – wird Der Wille zur Macht weiterhin und meist unkritisch als Nachlassausgabe Nietzsches benutzt. Die entsprechenden Verlage – in Deutschland vor allem der Alfred Kröner Verlag und der Insel Verlag – werden für die Wiederauflagen aus der Nietzsche-Forschung harsch kritisiert. Zugleich zeigen diese Neuauflagen allerdings auch, dass offenbar nach wie vor ein (wie auch immer motiviertes) Interesse an dem Buch besteht. Die Kompilationen haben auch philosophische Wirkung entfaltet.
So ist beispielsweise die Nietzsche-Rezeption von Gilles Deleuze an wichtiger Stelle einem Entzifferungsfehler aufgesessen: In Nietzsches Notizheft steht „Der siegreiche Begriff ›Kraft‹ […] bedarf noch einer Ergänzung: es muß ihm eine innere Welt zugesprochen... In den Kompilationen des Archivs heißt es statt „eine innere Welt“ aber „ein innerer Wille“, und Deleuze kommentierte diesen Satz, den er „[u]n des textes les plus importants“ Nietzsches zu diesem Thema nennt, beinahe... An anderer Stelle übernimmt Deleuze aus den Kompilationen den Wortlaut „Macht“, wo im Notizheft „Kraft“ steht – gerade dort, wo Deleuze zwischen diesen Begriffen differenzieren will.[1] In jüngerer Zeit gibt es Stimmen, die eine kritische Neuausgabe des Werks als historisches Dokument verlangen. in Nietzsches Spätwerk dionysische Urkraft und Antrieb des »Rad des Seins« (Also sprach Zarathustra. 3.
Teil, Der Genesende). Er wirkt im Menschen und in der Welt als Grundstruktur alles Werdens und Vergehens zum Zweck der Selbsterhaltung und Selbststeigerung. Beim Menschen entfaltet sich der W. z. M., den es nur im Vollzug gibt, in der Bejahung der Kreisläufe von Leben und Tod, Lust und Schmerz. Nur durch emphatisches Vorantreiben aller natürlichen Zyklen kann der »Übermensch«, das Ziel der Menschheit, hervorgebracht werden.
Wird dem W. z. M. kein freier Lauf gelassen, zeigt sich seine Ambivalenz: Es kommt zur Sublimierung von sonst natürlichen menschlichen Affekten und Trieben wie Freude, Aggression, Kreativität. Sie wenden sich einerseits selbstzerstörerisch nach innen, anderseits erzeugen sie ein Ressentiment gegen den anderen. Daher sind für Nietzsche das christliche Moralsystem (Herrenmoral/Sklavenmoral) sowie die abendländische »theoretische« Kultur Folgen des Wirkens des W.
z. M. Wenn Sie inhaltliche Anmerkungen zu diesem Artikel haben, können Sie die Redaktion per E-Mail informieren. Wir lesen Ihre Zuschrift, bitten jedoch um Verständnis, dass wir nicht jede beantworten können. Der "Wille zur Macht" kein Buch von Friedrich Nietzsche Herausgegeben von Bernd Jung auf der Grundlage der Digitalen Kritischen Gesamtausgabe
Der „Wille zur Macht“ ist ein Kerngedanke von Nietzsches Philosophie. Ab etwa 1885 plante er ein Buch unter diesem Titel, das sein Hauptwerk werden sollte. Doch dazu kam es nie: 1888/89 fiel Nietzsche in geistige Umnachtung. Die Fragmente zu seinem Hauptwerk wurden erst nach seinem Tod veröffentlicht und teilweise wüst entstellt. Dennoch finden sich darin, wie für Nieztsches Philosophie typisch, zahlreiche packende und alles auf den Kopf stellende Aphorismen und Gedanken! Das hier vertonte Hörbuch folgt der Ausgabe von Max Brahn aus dem Jahr 1917.
Höre hier die ersten beiden Bücher von Nietzsches geplantem Hauptwerk „Der Wille zur Macht“ als ungekürztes Hörbuch! Friedrich Wilhelm Nietzsche (1844–1900) war zunächst Philologie-Professor in Basel. 1879 musste er die Universität aus gesundheitlichen Gründen verlassen. Auf der Suche nach einem Aufenthaltsort, der seiner angeschlagenen Gesundheit half, schrieb er einige der bedeutendsten Bücher der abendländischen Philosophie. Dabei entwickelte er seinen eigenen, energischen Stil der Philosophie: eine leidenschaftliche und dem Leben verpflichtete Denkweise, die das Leben als eine Kraft begreift. Ihre Fülle und volle Energie findet sie in einer aristokratischen und erobernden Existenzweise.
Diese Titel könnten Dich auch interessieren © 2026 BlitzWissen™. Alle Rechte vorbehalten. „Was ich erzähle, ist die Geschichte der nächsten zwei Jahrhunderte. Ich beschreibe, was kommt, was nicht mehr anders kommen kann: die Heraufkunft des Nihilismus.“ Friedrich Nietzsche.
Der Wille zur Macht. Versuch einer Umwerthung aller Werthe. Erstdruck: C. G. Naumann Verlag, Leipzig 1906. Durchgesehener Neusatz, der Text dieser Ausgabe folgt Alfred Kröner Verlag, Leipzig 1922.
Taschenbuch-Format (Paperback). Vollständige Neuausgabe, LIWI Verlag, Göttingen 2022. EAN: 9783965425989 ISBN: 3965425986 Versuch einer Umwerthung aller Werthe. Paperback. LIWI Literatur- und Wissenschaftsverlag Oktober 2022 – 588 Seiten Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube.
Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden. Der „Wille zur Macht“ ist ein komplexes philosophisches Konzept, das Friedrich Nietzsche in seinen Schriften entwickelt hat. In diesem Artikel werden die zentralen Ideen und Implikationen dieses Konzepts vertieft. Der Wille zur Macht ist ein Gedanke Friedrich Nietzsches, der von ihm zum ersten Mal in Also sprach Zarathustra vorgestellt und in allen nachfolgenden Büchern zumindest am Rande erwähnt wird, z. B.
im fünften Buch der Fröhlichen Wissenschaft, das 1887 erscheint. Seine Anfänge liegen in den psychologischen Analysen des menschlichen Machtwillens in der Aphorismensammlung Morgenröte. Nietzsche führte ihn in seinen nachgelassenen Notizbüchern ab etwa 1885 umfassender aus. Die erste Erwähnung des Begriffs im Nachlass stammt von 1876/77: „Furcht (negativ) und Wille zur Macht (positiv) erklären unsere starke Rücksicht auf die Meinungen der Menschen.“[1] Die Deutung des Gedankens des „Willens zur Macht“ ist stark umstritten. Nach Nietzsche ist der „Wille zur Macht“ ein dionysisches Bejahen der ewigen Kreisläufe von Leben und Tod, Entstehen und Vergehen, Lust und Schmerz, eine Urkraft, die das „Rad des Seins“ in Bewegung hält: „Alles...
Alles stirbt, alles blüht wieder auf, ewig läuft das Jahr des Seins.“[2] In einem Nachlassfragment von 1885 deutet Nietzsche selbst an, wie man diesen vielschichtigen Begriff verstehen könnte: „…Diese meine dionysische Welt des Ewig-sich-selber-Schaffens, des Ewig-sich-selber-Zerstörens … dies mein Jenseits von Gut und Böse, ohne Ziel, wenn nicht im Glück des Kreises ein Ziel liegt … Wollt ihr einen Namen für diese... … Ein Licht für euch, ihr Verborgensten, Stärksten, Unerschrockensten, Mitternächtlichsten? … Diese Welt ist der Wille zur Macht – und nichts außerdem! Und auch ihr seid dieser Wille zur Macht – und nichts außerdem!“[3] Nietzsche ist vor allem durch seine Schopenhauer-Lektüre und dessen Willens-Metaphysik auf den Gedanken des Willens zur Macht gekommen.
Anders als Schopenhauers „Wille zum Leben“ ist für Nietzsche der Wille zur Macht jedoch kein Phänomen des Lebens, sondern des Erkennens. Zwar sind auch für Nietzsche die Triebe Fundamente allen Erkennens, denn aus ihnen geht erst das Erkennen hervor, aber es geht nun darum, inwiefern „eine Umwandlung des Menschen eintritt, wenn er endlich nur noch... „Nur wo Leben ist, da ist auch Wille: aber nicht Wille zum Leben, sondern – so lehr ich’s dich – Wille zur Macht!“[5] Neu ausgewählt und geordnet von Max Brahn Große Dinge verlangen, daß man von ihnen schweigt oder groß redet: groß, das heißt zynisch und mit Unschuld. Altenburg Pierersche Hofbuchdruckerei Stephan Geibel & Co.
[Der Plan, der dieser Anordnung zugrunde gelegt wurde, lautet in Nietzsches Niederschrift:] Der Wille zur Macht Versuch einer Umwertung aller Werte Part of the book series: Colloquium Metaphysicum ((CM)) Nietzsches ‚Wille zur Macht‘ ist nicht von einem Mangel affiziert, wodurch dieser Wille nur intentional auf Macht zustreben würde, um eine Kontingenz der Endlichkeit zu überwinden wie im klassischen philosophisch-theologischen Erbe. Denn mittels welcher Kraft könnte sonst die Macht sich selbst ergreifen? Deshalb ist der Wille als radikal phänomenologische Selbstbewegung zu denken, dank welcher sich die Entfaltung dieser Macht vollzieht, was spezifisch an der Identität dieses Willens mit den Affektivitätsfärbungen und dem subjektiven Leben erkennbar ist.
Ohne den tragischen Existenzcharakter zu leugnen und die Gegenüberstellung von Begehren und Leid zu vergessen, spricht Nietzsche von einer „ewigen Lust“ der Existenz, die in seinem Werk über Die Geburt der Tragödie besonders schon... This is a preview of subscription content, log in via an institution to check access. Tax calculation will be finalised at checkout Vgl. Friedrich Nietzsche, Die Geburt der Tragödie aus dem Geiste der Musik, in: KSA, Bd. 1, München, Berlin u.
People Also Search
- Der Wille zur Macht - Wikipedia
- Wille zur Macht - Metzler Lexikon Philosophie - Spektrum.de
- Der Wille zur Macht
- Der Wille zur Macht | BlitzWissen
- Der Wille zur Macht - Nietzsche - LIWI Verlag
- Wille zur Macht - Wikipedia
- Der Wille zur Macht - Project Gutenberg
- Der Wille zur Macht - Wikiwand
- Der ‚Wille zur Macht' als Selbstermächtigung des Lebens
- Der Wille zur Macht - Friedrich Nietzsche - Google Books
Unter Dem Titel Der Wille Zur Macht Sind Seit 1901
Unter dem Titel Der Wille zur Macht sind seit 1901 diverse, sich teilweise erheblich unterscheidende Kompilationen aus nachgelassenen Aufzeichnungen des Philosophen Friedrich Nietzsche herausgegeben worden. Im deutschen Sprachraum ist meist eine von Elisabeth Förster-Nietzsche und Heinrich Köselitz („Peter Gast“) zuerst 1906 herausgegebene Schrift gemeint, die auch in Nietzsche-Ausgaben aufgenomme...
Dennoch Wurden Und Werden Sie Weiterhin Vertrieben Und Benutzt. In
Dennoch wurden und werden sie weiterhin vertrieben und benutzt. In jüngster Zeit sind verschiedene der Kompilationen in Frankreich, Italien und Deutschland erneut aufgelegt worden, obwohl inzwischen die Kritischen Gesamtausgaben Nietzsches von Colli und Montinari als einzige unverfälschte Ausgaben Nietzsches anerkannt sind. Besonders im englischen Sprachraum – eine englische Übersetzung der Colli-...
So Ist Beispielsweise Die Nietzsche-Rezeption Von Gilles Deleuze An Wichtiger
So ist beispielsweise die Nietzsche-Rezeption von Gilles Deleuze an wichtiger Stelle einem Entzifferungsfehler aufgesessen: In Nietzsches Notizheft steht „Der siegreiche Begriff ›Kraft‹ […] bedarf noch einer Ergänzung: es muß ihm eine innere Welt zugesprochen... In den Kompilationen des Archivs heißt es statt „eine innere Welt“ aber „ein innerer Wille“, und Deleuze kommentierte diesen Satz, den er...
Teil, Der Genesende). Er Wirkt Im Menschen Und In Der
Teil, Der Genesende). Er wirkt im Menschen und in der Welt als Grundstruktur alles Werdens und Vergehens zum Zweck der Selbsterhaltung und Selbststeigerung. Beim Menschen entfaltet sich der W. z. M., den es nur im Vollzug gibt, in der Bejahung der Kreisläufe von Leben und Tod, Lust und Schmerz. Nur durch emphatisches Vorantreiben aller natürlichen Zyklen kann der »Übermensch«, das Ziel der Menschh...
Wird Dem W. Z. M. Kein Freier Lauf Gelassen, Zeigt
Wird dem W. z. M. kein freier Lauf gelassen, zeigt sich seine Ambivalenz: Es kommt zur Sublimierung von sonst natürlichen menschlichen Affekten und Trieben wie Freude, Aggression, Kreativität. Sie wenden sich einerseits selbstzerstörerisch nach innen, anderseits erzeugen sie ein Ressentiment gegen den anderen. Daher sind für Nietzsche das christliche Moralsystem (Herrenmoral/Sklavenmoral) sowie di...