Friedrich Nietzsche Und Der Wille Zur Macht Nomadin
Politische Ambitionen beruhen zuweilen auf Missverständnissen. So begriff Friedrich Nietzsche den mehrfach von ihm beschriebenen Begriff „Wille zur Macht“ als etwas ganz Anderes, als das, was viele PolitikerInnen in Anspruch nehmen. Nietzsche sah im Willen zur Macht vor allem ein Erkennen und Bejahen des ewigen Kreislaufs dieser Erde – des Lebens an sich; Entstehen versus Vergehen als Antrieb des Menschen. Wie der Aufruf in der Bibel, sich die Erde untertan zu machen, keinen Freibrief zur Zerstörung der Natur bedeutet, sondern die Verantwortung spiegelt, die der Mensch gegenüber der Erde hat, fordert Nietzsche dazu auf,... Erst daraus ergibt sich für ihn die Möglichkeit der Freiheit. So gesehen ist der Wille zur Macht eine Art Urkraft – und der Mensch ist nicht nur zu einer solchen fähig, sondern ist selbst Teil dieser Kraft.
Dieser Halbsatz ist essentiell, denn sobald man sich selbst als Teil von etwas erkennt – und genau von diesem Erkennen spricht Nietzsche – verändert dies auch den Herrschaftsanspruch gegenüber dieser Gruppe. Das wirft die Frage auf, ob es einem Politiker jemals in den Sinn kommt, dass er/sie nicht nur Bundeskanzler, Ministerin, Präsident, Landtagsabgeordnete oder Bürgermeister, sondern selbst immer auch Bürger ist. Während man Bundeskanzler Sebastian Kurz wie selbstverständlich unterstellt, Macht zu wollen und diesem Wollen so Manches unterzuordnen, wird über die Grünen gesagt, sie hätten kürzlich ihre Seele für diese Macht verkauft. In beiden Fällen wird nicht abgewartet, wie sich die Regierungsarbeit entwickelt. Jene Macht, die die Regierungsmitglieder innehaben, wird den türkisen PolitikerInnen von ihren Wählern und Wählerinnen als positiv angerechnet, während bei so manchen GrünwählerInnen die Sorge auftaucht, die Grünen könnten ihre Ideale diesem Willen zur... Tatsächlich wird Macht im Sinne Nietzsches nur erfolgreich sein, wenn man den Willen zu ihr hat.
Man muss etwas wollen, um es glaubhaft umsetzen zu können. Das gilt selbstverständlich auch für Macht. Der Wille zur Macht ist ein Gedanke Friedrich Nietzsches, der von ihm zum ersten Mal in Also sprach Zarathustra vorgestellt und in allen nachfolgenden Büchern zumindest am Rande erwähnt wird, z. B. im fünften Buch der Fröhlichen Wissenschaft, das 1887 erscheint. Seine Anfänge liegen in den psychologischen Analysen des menschlichen Machtwillens in der Aphorismensammlung Morgenröte.
Nietzsche führte ihn in seinen nachgelassenen Notizbüchern ab etwa 1885 umfassender aus. Die erste Erwähnung des Begriffs im Nachlass stammt von 1876/77: „Furcht (negativ) und Wille zur Macht (positiv) erklären unsere starke Rücksicht auf die Meinungen der Menschen.“[1] Die Deutung des Gedankens des „Willens zur Macht“ ist stark umstritten. Nach Nietzsche ist der „Wille zur Macht“ ein dionysisches Bejahen der ewigen Kreisläufe von Leben und Tod, Entstehen und Vergehen, Lust und Schmerz, eine Urkraft, die das „Rad des Seins“ in Bewegung hält: „Alles... Alles stirbt, alles blüht wieder auf, ewig läuft das Jahr des Seins.“[2] In einem Nachlassfragment von 1885 deutet Nietzsche selbst an, wie man diesen vielschichtigen Begriff verstehen könnte: „…Diese meine dionysische Welt des Ewig-sich-selber-Schaffens, des Ewig-sich-selber-Zerstörens … dies mein Jenseits von Gut und Böse, ohne Ziel, wenn nicht im Glück des Kreises ein Ziel liegt … Wollt ihr einen Namen für diese...
… Ein Licht für euch, ihr Verborgensten, Stärksten, Unerschrockensten, Mitternächtlichsten? … Diese Welt ist der Wille zur Macht – und nichts außerdem! Und auch ihr seid dieser Wille zur Macht – und nichts außerdem!“[3] Nietzsche ist vor allem durch seine Schopenhauer-Lektüre und dessen Willens-Metaphysik auf den Gedanken des Willens zur Macht gekommen. Anders als Schopenhauers „Wille zum Leben“ ist für Nietzsche der Wille zur Macht jedoch kein Phänomen des Lebens, sondern des Erkennens. Zwar sind auch für Nietzsche die Triebe Fundamente allen Erkennens, denn aus ihnen geht erst das Erkennen hervor, aber es geht nun darum, inwiefern „eine Umwandlung des Menschen eintritt, wenn er endlich nur noch...
„Nur wo Leben ist, da ist auch Wille: aber nicht Wille zum Leben, sondern – so lehr ich’s dich – Wille zur Macht!“[5] Um mit Friedrich Nietzsche (1844-1889/1900) „zur Sache zu kommen“, ist auf nichts anderes nutzbringend Bezug zu nehmen, als auf das, was er nachweislich selber geschrieben und was sich, - als solches erwiesen! - auch erhalten hat! Seine von Grund auf für „philosophisch“ gehaltene Existenz wurde genau genommen durch zwei „Tode“ beendet. Einem frühen „geistigen“, Anfang 1889 und mit gut 11 Jahren Verzögerung dann - nach einem hilflos verblödeten „Sich-selber-Überleben“ als ermärtyrerisiertes „Opfer“ seiner selbst und als „überlebende Devotionalie“, d.h. als ein Andachtsgegenstand, der sich zuletzt, nach dem Tod seiner Mutter, von April 1897 bis zum 25.
August des Jahres 1900, im Besitz seiner 2 Jahre jüngeren Schwester Elisabeth Förster-Nietzsche befand. Dank ihr, an der sich allerdings sein Hass auf seine - im Vergleich zu seinen Visionen als schandbar unbedeutend empfundene! - Herkunft aus bloß einem Pfarrhaus mit früh verstorbenem Vater niederschlug, geriet, von dieser Schwester betrügerisch unterstützt sein Streben nach unbeschreiblicher Größe - aus vorwiegend kommerziellen Gründen für ihre aufwendige, einem gewissen Größenwahn geschuldete... - zu einer angebeteten, irrealen, vollkommen überzogenen „Wirklichkeit“. Diese jedoch konnte nach dem Tod der Schwester 1935 und 10 Jahre drauf dann dem Ende der nationalsozialistischen Tyrannei 1945, die ihn gut zu ihr passend okkupiert hatte, bei zunehmender Kenntnis der wahren Inhalte... Aus der Überfülle der Sekundärliteratur zu Nietzsche lassen sich nur recht gelegentlich in sehr seltenen Fällen belastbare Erkenntnisse über den eigentlichen Nietzsche gewinnen.
Dies vor allem a) wegen der ihr eigenen Uferlosigkeit und b) wegen der dabei regelmäßig zutage tretenden, stark subjektiv überfärbten und zumeist zur Anbetung ermuntern wollenden fremden „Individualitäten“, weil sich diese nur allzugern darum bemüht haben, das, was Nietzsche ihrer Meinung nach gemeint haben... „Was ich erzähle, ist die Geschichte der nächsten zwei Jahrhunderte. Ich beschreibe, was kommt, was nicht mehr anders kommen kann: die Heraufkunft des Nihilismus.“ Friedrich Nietzsche.
Der Wille zur Macht. Versuch einer Umwerthung aller Werthe. Erstdruck: C. G. Naumann Verlag, Leipzig 1906. Durchgesehener Neusatz, der Text dieser Ausgabe folgt Alfred Kröner Verlag, Leipzig 1922.
Taschenbuch-Format (Paperback). Vollständige Neuausgabe, LIWI Verlag, Göttingen 2022. EAN: 9783965425989 ISBN: 3965425986 Versuch einer Umwerthung aller Werthe. Paperback. LIWI Literatur- und Wissenschaftsverlag Oktober 2022 – 588 Seiten Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube.
Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden. Der „Wille zur Macht“ ist ein komplexes philosophisches Konzept, das Friedrich Nietzsche in seinen Schriften entwickelt hat. In diesem Artikel werden die zentralen Ideen und Implikationen dieses Konzepts vertieft. Neu ausgewählt und geordnet von Max Brahn Große Dinge verlangen, daß man von ihnen schweigt oder groß redet: groß, das heißt zynisch und mit Unschuld.
Altenburg Pierersche Hofbuchdruckerei Stephan Geibel & Co. [Der Plan, der dieser Anordnung zugrunde gelegt wurde, lautet in Nietzsches Niederschrift:] Der Wille zur Macht Versuch einer Umwertung aller Werte Friedrich Nietzsche entwickelte den Begriff des „Willens zur Macht“ im späten 19. Jahrhundert als revolutionäres Konzept, das nicht nur die menschliche Natur, sondern auch das Leben und die Welt grundlegend interpretiert. Ursprünglich als Reaktion auf die Herausforderungen seiner Zeit—darunter der „Tod Gottes“ und der damit verbundene Nihilismus—entwarf Nietzsche eine neue Perspektive, die das Leben nicht als passives Geschehen, sondern als aktiven Ausdruck eines dynamischen Machtstrebens...
In seinen Werken, besonders in „Also sprach Zarathustra“ und den später veröffentlichten Fragmenten, beschreibt er den Willen zur Macht als die treibende Kraft, welche die Vielheit der Erscheinungen und Lebensformen antreibt. Dieses Prinzip steht im Gegensatz zu klassischen metaphysischen Vorstellungen, welche oft eine statische Essenz oder finalen Zweck des Lebens annehmen. Nietzsche sieht stattdessen ein Zusammenspiel von konkurrierenden Willenskräften, die sich immerdar im Prozess der Selbstbehauptung und Selbstüberwindung befinden. Dabei wird Macht nicht als bloße Herrschaft verstanden, sondern als schöpferische Kraft, die durch die Differenzierung der Lebensformen ihre Entfaltung findet. Die Transformation des Willens zur Macht in ein umfassendes interpretatives Prinzip basiert auch auf Nietzsches Kritik an früheren Philosophen wie Schopenhauer, dessen Wille als blinde und leidvolle Kraft dargestellt wird. Nietzsche hingegen kehrt diesen Gedanken um und setzt die Kraft der Selbstbehauptung und kreativen Entfaltung an die Spitze.
So entfaltet sich eine Lebensphilosophie, die das Leben selbst als kraftvolles, dionysisches Ereignis wahrnimmt, dessen Wesen der ständige Wandel und das Streben nach Mehr ist. Die Bedeutung dieses Konzepts liegt auch darin, dass es sämtliche Bereiche von Biologie, Psychologie, Kultur und Gesellschaft miteinander verbindet. Die Welt wird somit als dynamischer Organismus gesehen, der durch gegenseitige Kraftfelder geprägt ist. Diese interpretative Sichtweise eröffnet neue Zugänge zur Analyse menschlicher Handlungen, sozialer Interaktionen sowie kultureller Entwicklungen und stellt eine radikale Umwertung aller Werte dar, die auf der Idee beruht, dass Leben und Welt nicht durch... Nietzsches Konzept des Willens zur Macht ist nicht auf politische oder soziale Macht beschränkt, sondern durchdringt sämtliche Existenzbereiche. Die Lebensphilosophie, wie sie aus dem Willen zur Macht hervorgeht, betrachtet das Leben als einen fortwährenden Prozess der Selbsterschaffung und Selbstüberwindung, bei dem jeder Organismus, jedes Individuum eine Kraftquelle darstellt, die sich entfaltet und...
Der „Wille zur Macht“ ist ein Kerngedanke von Nietzsches Philosophie. Ab etwa 1885 plante er ein Buch unter diesem Titel, das sein Hauptwerk werden sollte. Doch dazu kam es nie: 1888/89 fiel Nietzsche in geistige Umnachtung. Die Fragmente zu seinem Hauptwerk wurden erst nach seinem Tod veröffentlicht und teilweise wüst entstellt. Dennoch finden sich darin, wie für Nieztsches Philosophie typisch, zahlreiche packende und alles auf den Kopf stellende Aphorismen und Gedanken! Das hier vertonte Hörbuch folgt der Ausgabe von Max Brahn aus dem Jahr 1917.
Höre hier die ersten beiden Bücher von Nietzsches geplantem Hauptwerk „Der Wille zur Macht“ als ungekürztes Hörbuch! Friedrich Wilhelm Nietzsche (1844–1900) war zunächst Philologie-Professor in Basel. 1879 musste er die Universität aus gesundheitlichen Gründen verlassen. Auf der Suche nach einem Aufenthaltsort, der seiner angeschlagenen Gesundheit half, schrieb er einige der bedeutendsten Bücher der abendländischen Philosophie. Dabei entwickelte er seinen eigenen, energischen Stil der Philosophie: eine leidenschaftliche und dem Leben verpflichtete Denkweise, die das Leben als eine Kraft begreift. Ihre Fülle und volle Energie findet sie in einer aristokratischen und erobernden Existenzweise.
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